Spirituelles

  • Wort der Woche
  • Predigt vom 03. Juli in Banneux

Markus, 6,8-9 ... und er gebot ihnen außer einem Wanderstab nichts mit auf den Weg zu nehmen, kein Brot, keine Vorratstasche, kein Geld im Gürtel, kein zweites Hemd und an den Füßen nur Sandalen.

Was brauchen Menschen, die sich von Jesus senden lassen - das ist übrigens eine Umschreibung für die Kirche - um in seinem Auftrag für andere heilsam Leben zu sein? Nicht mehr als das Vertrauen, dass Gastfreundschaft ausreicht und die Konsequenz, die Botschaft, von der sie überzeugt sind, niemandem aufzudrängen. Das ist nicht viel, oder je nachdem wie man es sieht, eine ganze Menge: Vertrauen in Gott und die Menschen haben und innerlich so frei sein, zu wissen, dass ich zum Erfolg beitrage, aber nichts von mir abhängt.

Liebe Schwestern und Brüder, 

jeder von uns spürt, wenn er in seine nähere Umgebung schaut: Der persönliche Glaube, das persönliche Gebet, der Glaube an die Kirche und in die Kirche gerät immer mehr ins Abseits des öffentlichen Interesses. Immer wieder treten Menschen aus den verschiedensten Gründen aus der Kirche aus, und die Zahl der Kirchenbesucher wird auch immer kleiner; das Wissen um christliche Wahrheiten schwindet nicht nur in der nachwachsenden Generation ungebremst. Mit steigender Unkenntnis nimmt die auch öffentlich betriebene Verunglimpfung christlicher Überzeugungen und Lebensweisen zu. Viele Christen, die sich in der Kirche beheimatet fühlen, und ich denke, da gehören wir alle ja auch dazu, werden angesichts dieser Entwicklung unsicher und fragen sich, ob ihr überlieferter Glaube in der heutigen Zeit überhaupt noch eine tragfähige Grundlage für die Lebensgestaltung sein kann. Die vielen theologischen Diskussionen tragen dazu bei, diese Unsicherheit zu verstärken. Denken wir nur an die Diskussion in Deutschland um die Zulassung von evangelischen Christen oder von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion und die Uneinigkeit unserer Bischöfe zu diesem Thema. Denn was früher Gültigkeit hatte und oft bis fast zum Exzess betrieben und durchzusetzen versucht wurde, wird oft in Frage gestellt. Von manchen Gläubigen müssen wir Priester aber auch hören, dass wir zu wenig überzeugend sind, uns zu wenig um das wesentliche bemühen weil wir zu sehr mit Dingen beschäftigt seien, die eigentlich nicht zu unserer Sendung, zu unserem Auftrag gehören. Durch die Synodenbeschlüsse in unserem Bistum Trier soll diesbezüglich daraufhin gearbeitet werden, dass die Priester sich zukünftig mehr mit dem wesentlichen Ihrer Sendung befassen und frei sein sollen von bürokratischen Dingen. Auch wird hier und da darauf hingewiesen, manche Ordenschristen laufen mit zu ernster, unzufriedener und griesgrämiger Mine durch die Welt, anstatt ein frohes und ansteckendes Gesicht zu zeigen. Ja, irgendwo und irgendwie ist schon etwas dran an den negativen Feststellungen uns Priestern und Ordenschristen gegenüber.

Der Glaube, unser Glaube, liebe Mitchristen, wird immer mehr auf die Probe gestellt, wir werden immer mehr herausgefordert, unseren Glauben hinterfragen zu lassen, ja, uns selbst zu hinterfragen, wie es mit dem je persönlichen Glauben aussieht. Denn wir wissen ja alle: Von nichts kommt nichts. Vielleicht kann uns das folgende Beispiel dies ein wenig verdeutlichen: Wenn es wenig regnet, trocknet die Erde aus. Wir können sehen, wie sich der Rasen gelb färbt und nicht mehr wächst. Viele Pflanzen auf den Feldern und in den Gärten werden in ihrem Wachstum gehemmt. Da zeigt sich, wie schon so oft, dass Wasser lebensnotwendig ist. Wo es kein Wasser gibt, da ist Leben unmöglich, da breitet sich die Wüste aus.

Und wie mit dem Wasser, so verhält es sich auch mit dem Gebet. Das Gebet ist lebensnotwendig. Es geht dabei allerdings weniger um das irdisch-leibliche Leben, das im Sterben beendet wird, sondern um das übernatürliche, göttliche Leben. Den Anfang dieses Lebens hat uns Christen Gott selbst bei der Taufe ins Herz gelegt, damit es wachse und reife und Gott es zur Vollendung bringen kann. Gott will uns ja zu sich nehmen, damit wir einmal ganz und für immer bei ihm sein und an seinem Leben Anteil nehmen können. Bei Gott werden wir ganz vollendet sein und für immer seine Freude erfahren dürfen. Um dieses Leben erreichen zu können ist es notwendig, hier auf Erden gleichsam eine gewisse „Vorarbeit“ zu leisten. Und diese geschieht durch das Gebet. Denn wer gar nicht betet, verliert die Gemeinschaft mit Gott; sein Glaube wird dahinschwinden wie die Feuchtigkeit aus einem Lappen, der in der prallen Sonne hängt. Sein alltägliches Leben läuft ohne Gott dahin; er fragt auch nicht nach Gott und denkt nicht daran, Gottes Willen zum Richtungsweiser seines Lebens zu machen. Ganz anders verhält sich das bei einem Menschen, der betet. Und ganz besonders spürt man das auch bei sterbenden Menschen. Denn Menschen, die im Leben gebetet haben, sterben leichter.

Das menschliche Gebet wirkt sich jedoch nicht erst im Sterben aus. Immer wieder zeigt sich im Leben des Beters, dass Gott in ihm wohnt und ihn geleitet. Der katholische Philosoph Peter Wust hat einmal geschrieben: „Die großen Dinge des Daseins werden nur den betenden Geistern geschenkt.“ Gott schenkt dem Beter Weisheit, damit er erkennt, was für ihn richtig und gut ist. Er schenkt ihm Kraft in der Versuchung oder zum Wiederaufstehen, nachdem er gefallen ist und bewegt ihn dazu, seine Liebe zu Gott und den Menschen durch entsprechende Werke umzusetzen. Wer gut betet merkt, wie das Gebet nach und nach sein Leben verändert. Der Beter wird Christus ähnlich und handelt mehr und mehr so, wie er Christus handeln sieht; so lernt er z.B. denen, die ihm Böses zufügen, zu verzeihen. Im Evangelium, das wir vorhin gehört haben, hat Jesus es uns auf seine Weise wieder neu gesagt durch die Seligpreisungen. Damit hat er uns wieder eine Richtschnur für unser Leben aufgezeigt. Das konnte er nur, weil seine Mutter Maria Ja gesagt hat zum Plan Gottes. So wurde die ganze Menschheit „Reich beschenkt durch Maria“. So lautet ja auch das diesjährige Thema der Wallfahrten hier in Banneux.

Sie kennen vielleicht die Definition der hl. Teresa v. Avila hinsichtlich  des Betens: „Gebet ist ein Gespräch mit einem Freund, mit dem ich gern und oft zusammenkomme, weil ich weiß, dass er mich liebt.“ Gebet gesehen als ein Sprechen mit Gott. Eine weitere Kurzdefinition lautet: „Beten ist das Atemholen der Seele.“

Das Sprechen mit Gott, liebe Mitchristen, ist nötig, weil Gott uns an Kindesstatt angenommen hat und wir dieses Verhältnis durch unser Sprechen mit Gott auf Dauer bewahren sollen. Wenn Menschen nicht mehr miteinander sprechen, hört die Gemeinschaft auf; sie entfernen sich voneinander und werden einander fremd. Gott rückt aber nie von uns ab, auch wenn er uns ganz fern zu sein scheint. Aber der Mensch kann sich von ihm entfernen und Gott wird ihm dann fremd. Auch das Bild vom Atemholen der Seele ist da sehr anschaulich. Wir müssen ständig atmen, sonst ersticken wir.

Gott hat durch seinen Sohn Jesus die Jünger beten gelehrt, indem er ihnen das Vaterunser aufsagte. In diesem Gebet ist alles enthalten, was wir brauchen. Vor allem ist es das intimste Gebet, das wir sprechen können; wir dürfen nämlich zu Gott Vater sagen. Und das ermutigt, in allen Lebenslagen und –situationen uns an Gott zu wenden und vertrauensvoll uns seine Hilfe zu erbitten. Jesus tat es im Garten von Gethsemane und am Kreuz ebenso. Maria ist uns diesen Weg bereits vorausgegangen. In ihrem großen Lobgesang, dem Magnificat, hat sie Gottes Größe gepriesen und lehrt uns, dies auch zu tun. Beten ist also Lobpreis und Bitte zugleich. Die Urgemeinde von Jerusalem hat festgehalten „an der Lehre der Apostel und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten“ (Apg 2,42 ff); so haben wir es in der Lesung gehört. Sie wurden dazu auch gestärkt durch den Herrn selbst; denn er ist Wort und Brot, Nahrung für unser Leben.

Haben wir Mut, Schwestern und Brüder, in die Schule von Jesus und Maria zu gehen, auf sie zu schauen, wie sie beteten um es ihnen schließlich gleich zu tun. Tragen wir „in jeder Lage betend und flehend unsere Bitten mit Dank vor Gott“, so wie der Apostel Paulus an die Gemeinde von Philippi es geschrieben hat. Damit darf sich dann auch unsere enge Beziehung zu Jesus und Maria vertiefen und festigen. Amen.

P. Ludwig Eifler O.Carm.