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Spirituelles

  • Wort der Woche
  • Predigt zu Allerseelen
  • Predigt 8. November

Christkönigsonntag 2020

„Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt,

 das habt ihr mir getan.“

 

JETZT IST DIE ZEIT

Jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde,
heute wird getan oder auch vertan,
worauf es ankommt, wenn er kommt.

Der Herr wird nicht fragen:
Was hast du gespart,
was hast du alles besessen?
Seine Frage wird lauten:
Was hast du geschenkt,
wen hast du geschätzt um meinetwillen?

Der Herr wird nicht fragen:
Was hast du beherrscht,
was hast du dir unterworfen?
Seine Frage wird lauten:
Wem hast du gedient,
wen hast du umarmt um meinetwillen?

Der Herr wird nicht fragen:
Was hast du geglänzt,
was hast du Schönes getragen?
Seine Frage wird lauten:
Was hast du bewirkt,
wen hast du gewärmt um meinetwillen?

Der Herr wird nicht fragen:
Was hast du erreicht,
was hast du Großes gegolten?
Seine Frage wird lauten:
Hast du mich erkannt?
Ich war dein Bruder um deinetwillen.

 

Predigt zu Allerseelen 2020

Liebe Schwestern und Brüder,

Themen wie Krankheit und Tod sind bei vielen Menschen unserer Tage mit Tabus belegt. Schönheit und Jugend, Kreativität und Genuss stehen im Vordergrund. Die Werbung zeigt uns dies tagtäglich. Das ist die eine Seite.

Die andere Seite ist die wachsende Lebenserwartung, die sich in den vergangenen 150 Jahren von 35 auf nunmehr über 70 Jahre verdoppelt hat. So schieben sich die Probleme der Rentenversicherung, der Altersvorsorge, das Pflege- und Gesundheitswesen in den Vordergrund, bedingt aber auch durch die abnehmende Kinderzahl und die Arbeitslosigkeit und augenblicklich durch die großen Folgen der Coronapandemie. Der sogenannte demographische Faktor liegt bedrückend über der Gesellschaft. Armut, Isolation und Einsamkeit lassen manch kranke, behinderte und alleinlebende Menschen daran denken, ihrem Leben durch aktive Sterbehilfe oder durch Selbstmord ein Ende zu setzen, weil sie den Angehörigen nicht zur Last fallen wollen, aber auch in ihrem Leben keinen rechten Sinn mehr sehen. Auch manche Politiker unterstützen dieses Ansinnen, wie etwa der FDP Politiker und Vizepräsident des Deutschen Bundestages Wolfgang Kubicki. In einem Gastbeitrag für die „Zeit“-Beilage „Christ & Welt“ schreibt er u.a.; „Vielen Menschen gibt es Trost, in ihren letzten Stunden in einer kirchlichen Einrichtung zu sein und dabei die erbauliche Kraft des Glaubens zu spüren“…Daher wäre es nur richtig, Sterbehilfe auch in kirchlichen Einrichtungen zu ermöglichen.“ Dem ersten Teil des Satzes kann aus christlicher Sicht voll und ganz zugestimmt werden. Das sind die Erfahrungen, die viele Pflegerinnen und Pfleger und auch Seelsorger in solchen Einrichtungen machen. Aber daraus die Konsequenz abzuleiten, Sterbehilfe zu ermöglichen, ist meines Erachtens falsch. Es geht vielmehr dabei um Sterbebegleitung, den sterbenden Menschen und auch den Angehörigen hilfreich zur Seite zu stehen beim Sterben. Denn wir haben uns das Leben nicht selbst gegeben. Also steht uns auch nicht das Recht zu, es zu beenden, so wie wir das wollen. Das Leben als solches ist für die menschliche Freiheit unverfügbar, ist reines Geschenk, ist Gabe Gottes. Oder wie es der Bestsellerautor und Benediktinermönch P. Anselm Grün OSB ausdrückt: „Christen haben die Aufgabe, Sterbende mitfühlend zu begleiten, ihre Schmerzen zu mindern und ihnen ein menschenwürdiges Sterben zu ermöglichen“. Kirchliche Einrichtungen sollten dem Druck nach aktiver Sterbehilfe nicht nachgeben. Die Bitte aktiver Sterbehilfe sei in Wirklichkeit ein Schrei nach Solidarität.

Viele Angehörige ihrerseits beeilen sich nach dem Tod, alles schnell hinter sich zu bringen, den Leichnam, die sterbliche Hülle, zu entsorgen. Aus dem persönlich erlebten und bewusst bedachten Tod ist der organisierte Tod geworden, für dessen Besorgung Institutionen und Einrichtungen zuständig sind.

Liebe Mitchristen, auf die Frage, wer ihnen im Zusammenhang von Bestattung und Trauer am hilfreichsten war, nennen Angehörige heute vielfach den Bestatter an erster Stelle, dann Freunde und Angehörige und, mit Abstand, den Pfarrer. Dabei hatte die Kirche einmal ein gewisses Monopol auf die Sorge um die sterbenden und verstorbenen Menschen und auf die Begleitung der Angehörigen. Eine eigene kirchliche Sterbe- und Begräbnisliturgie hatte sich entwickelt, die sich deutlich von heidnischen Totengebräuchen unterschied und schon lange vor dem Augenblick des Sterbens eintrat. Sie sollte dem Sterbenden helfen, zum Gelingen des Übergangs vom irdischen zum ewigen Leben beizutragen, aber auch den Angehörigen Halt und Trost gewähren. Da aber heute die meisten Menschen in Krankenhäusern oder Altenheimen sterben, und hier vielmals auch noch allein, aber auch der Priester oft zu spät oder gar nicht gerufen wird, weil viele Angehörige die Realität nicht wahrhaben wollen und das Sterben und der Tod ihnen Probleme bereiten, wird der Kirche damit aber auch ihre ureigenste Aufgabe genommen, sterbende Menschen zu begleiten und dabei den Angehörigen beistehen zu können. Allerdings stehen Palliativmedizin und Hospizarbeit hier den Betroffenen tatkräftig zur Seite, und das im Sinne von Sterbebegleitung und im Verbund mit Seelsorgerinnen und Seelsorgern.

Auch im Bereich des Bestattungswesens, so haben Soziologen festgestellt, und wir können es ja selbst auch immer wieder erfahren und erleben, ist die Volkskirche in ihrer Funktion im Wandel. Das zeigt sich besonders in der Art und Weise der Bestattung. Denn neben das Erdbegräbnis des toten Körpers, das seit Jahrhunderten im abendländischen Kulturkreis die Regel war, tritt immer mehr die Feuer- bzw. Urnenbestattung. Im Zuge des II. Vatikanischen Konzils hat die katholische Kirche bereits 1964 ihr Veto gegen die Feuerbestattung aufgegeben, sofern damit nicht bewusst der christliche Auferstehungsglaube geleugnet wird. Diese Form der Bestattung hat auch bei uns in den letzten Jahren zugenommen. Von insgesamt 56        Sterbefällen in unserer Pfarreiengemeinschaft Alftal seit dem letztjährigen Allerheiligenfest waren 44 Urnenbeisetzungen.

Allerdings hat sich aber auch zusehends eine Sonderform der Feuerbestattung herausgebildet, die sehr zum Nachdenken Anlass gibt. Ich meine die sogenannte anonyme Bestattung oder das Ausstreuen der Asche. Bei dieser Praxis werden weder Zeit noch Ort der Einäscherung und der Beisetzung angegeben; auch trägt die Grabstätte keinen Namen. Eine Rasenfläche deckt das Grab zu bzw. ein Hügel nimmt die Asche auf. Während in diesem Fall Menschen wohl resignierend zum Ausdruck bringen, dass sie scheinbar für niemanden etwas bedeuten, wird in einem anderen Fall mit Nachdruck eine Bestattung in Würde gefordert, und das sicherlich ganz zu recht: für die tot geborenen Kinder und für die Fehlgeburten. Damit wird für die betroffenen Eltern und deren Familien ein nicht hoch genug einzuschätzender Beitrag zur Trauerarbeit geleistet, ganz zu schweigen vom religiösen Aspekt.

Wer Geld und eher eine phantastisch-romantische Lebenseinstellung hat, wird seine Urne auf hoher See beisetzen lassen, was seit 1972 in Deutschland erlaubt ist.

Seit geraumer Zeit hat sich eine dritte Variante von Bestattung herausgebildet, die bei nicht wenigen große Sympathie genießt: die Beisetzung in einem Friedwald. Ähnlich wie bei einer Feuerbestattung bzw. einer Urnenbeisetzung, wo der ursprüngliche Grund für eine solche Begräbnisform das nicht glauben an ein Weiterleben nach dem Tod war, so ist die Begräbnisart in einem Friedwald ursprünglich aus der esoterischen Richtung entstanden, die ebenfalls ein Weiterleben für die Seele nach dem Tod bei Gott ausschließt, wohl aber ein Weiterleben in einem Baum, im Wald, proklamiert. Doch dieser Gedanke ist bei vielen Christen nicht gegeben, die sich heute eine Bestattung in einem Friedwald wünschen. Sie verbinden mit einer Bestattung an einem Baum im Wald etwas anderes, etwa die Liebe zur Natur. Und dazu sagt die Kirche nicht nein. Vorrausetzung ist, dass eine kleine Tafel mit Namen, Geburts- und Todesdatum angegeben sind. Denn vor Gott sind wir wer, sind wir nicht anonym, haben wir einen Namen. Wir sind in seine Hand geschrieben.

Schwestern und Brüder, Bestatter haben sich heute zur Aufgabe gemacht, den letzten Willen der Menschen zu erfüllen und den Angehörigen die notwendigen Gänge abzunehmen. Sie leisten darüber hinaus bewusst oder unbewusst auch seelsorgliche Dienste an den Hinterbliebenen, sie leiten hier und da nichtkirchliche Trauerfeiern und stellen würdevoll ausgestattete Trauerräume zur Verfügung. Und das gerade auch für Menschen, die durch ihren Austritt aus der Kirche bekundet haben, dass sie mit dieser Gemeinschaft nichts mehr zu tun haben wollen. Und das respektiert die Kirche. Und das sollten auch die Angehörigen respektieren, auch dann, wenn es ihnen sehr schwer fallen sollte.

Schwestern und Brüder, die Toten zu begraben und die Trauernden zu trösten – diese beiden Dienste gehören nach jüdisch-christlichem Verständnis seit jeher zu den leiblichen Werken der Barmherzigkeit. Die Todesfrage, die sich spätestens am Sterbebett eines geliebten Menschen stellt, ist immer auch eine religiöse Frage, eine Frage nach Gott. Ihr darf die Seelsorge auch in einer säkularisierten Welt nicht ausweichen und sie will ihr auch nicht ausweichen. Doch oftmals wird sie von den Betroffenen selbst an der Ausübung gehindert, was schweren Herzens auch respektiert wird.

Beim Begräbnis gedenkt die christliche Gemeinde des Todes und der Auferstehung des Herrn; sie gibt Zeugnis vom Glauben an die Auferstehung der Toten, bringt damit zum Ausdruck, dass der Tod nicht das letzte Wort hat und sie leistet Trauerarbeit mit den Betroffenen. Tod und Grab werden zum Anlass, über das Todesschicksal des Menschen, über Gericht und Erlösung nachzudenken. Das kann auch bei einem Spaziergang über einen Friedhof, den Ort des Friedens geschehen. Denn der Friedhof soll weder ein Park der anonymen Bestattungen noch ein Sammelplatz für Grabsteine der Eitelkeiten sein. Vielmehr kann er für die Lebenden zum Verweilraum der Selbstfindung werden, zum Ort der Meditation und des Nachdenkens. Friedhöfe sind Orte des Gedächtnisses, an denen die Hinterbliebenen der Verstorbenen und des eigenen Todes gedenken. Vor allem soll der Friedhof auch Stätte der christlichen Verkündigung sein.

Doch gerade im Nebeneinander von christlichen und nichtchristlichen Texten, sei es in Todesanzeigen oder auf Grabsteinen, von Symbolen des Todes und des Lebens, von Vorstellungen, die den Tod als Abbruch des Lebens sehen oder als Beginn der neuen Schöpfung in Christus, zeigt sich die veränderte Einstellung zu Sterben und Tod. Umso größer ist die Herausforderung an die Gemeinden und an die Seelsorge, Zeichen der Hoffnung zu setzen. Sie sind zugleich Zeichen einer alten christlichen Kultur, die nicht nur die Lebenden sondern auch die Toten einbezieht. Und dieses Hoffnungszeichen ist und bleibt für uns Christen einzig und allein Jesus, der am Kreuz für uns alle starb, ins Grab gelegt wurde und am dritten Tag zu neuem, ewigem Leben auferstand. Und dazu sind wir alle durch die Taufe berufen und gerufen worden. Amen.

P. Ludwig Eifler O.Carm.

32. Sonntag im Jahreskreis (A)
8. November 2020

Liebe Mitchristen,

am vergangenen 4. November feierte die Kirche den Gedenktag des hl. Karl Borromäus, des Erzbischofs und Kardinals von Mailand, der im 16. Jhrh. lebte und wirkte. Die Ereignisse seiner Zeit sind vergleichbar mit der Unsrigen. Damals wütete dort die Pest.

Vor wenigen Monaten gingen Videos aus Italien um die Welt: Dort sangen die Menschen von ihren Fenstern und Balkonen aus gegen Corona und ihre Isolierung in der Quarantäne an. Auch anderswo motivierten diese Videos so manche zaghaften musikalischen Open-Air-Darbietungen im Kreis der Nachbarschaft. Aber auch per Video und Life-Stream haben sich Künstlerinnen und Künstler in unserem Land inspirieren lassen, Menschen durch hoffnungsvolle Musik und Texte in ihrer Isolation oder Hoffnungslosigkeit Mut zu machen, damit sie nicht resignieren oder in ihrer Resignation nicht verharren oder gar erstarren.

Dieses Phänomen der singenden Menschen gab es in Norditalien schon einmal: Vor rund 450 Jahren, zurzeit von Erzbischof Karl Borromäus. Es erklangen Lieder aus den Häusern Mailands, als dort die Pest wütete und die Menschen ihre Häuser nicht verlassen durften. Freilich waren die Umstände damals ganz anders als heute. Und doch klingen manche der Beschreibungen von damals und auch der pastoralen Situation heute sehr vertraut.

So zum Beispiel die Tatsache, dass sich die Reichen und Mächtigen der Stadt auch damals sehr schnell aus dem Staub gemacht hatten, als im Jahr 1576 die erste Pestwelle über die Metropole hereinbrach. Die einzige in der Stadt verbliebene Autorität war ihr Erzbischof Karl Borromäus, ebenfalls Norditaliener aus Arona am Lago Maggiore, nunmehr seit zehn Jahren geistlicher Oberhirte Mailands. Wegen seiner Sittenstrenge war er bis dahin nicht sonderlich beliebt im Kirchenvolk. Er war 37 Jahre alt, führte, für einen Kirchenmann seiner Zeit, ein sehr bescheidenes Leben und setzte sich mit aller Leidenschaft dafür ein, die Gläubigen seiner Diözese auf einen Weg der pastoralen Erneuerung zur Botschaft Christi zu führen. Damit eckte er bei den verweltlichten Klerikern und Ordensleuten der Stadt so sehr an, dass sie ihn aus dem Weg räumen wollten und einen Mordanschlag auf ihn verübten.

Mitten in diesen Herausforderungen der Kirche für den engagierten Kardinal kam der schwarze Tod über Europa, die Pest, und verdunkelte auch das Leben in der Stadt Mailand. Er stellte sich seiner Verantwortung als geistliches wie als administratives Oberhaupt mit Akribie. Ganz der Gedankenwelt seines Jahrhunderts verhaftet ging der medizinische Kampf des Mailänder Kardinals gegen die Pest einher mit der Überzeugung, dass eine Epidemie eine Strafe Gottes ist, die nur durch Umkehr und Buße beendet werden könne. Man kannte das Konzept der Ansteckung durch Viren und Bakterien noch nicht, und es war den Menschen der damaligen Zeit unerklärlich, warum eine Krankheit wie die Pest plötzlich auftritt, ganze Orte existentiell bedroht oder gar vernichtet und dann wieder verschwindet. Karl Borromäus vertiefte sich in über 100 medizinische Bücher, um die richtigen Maßnahmen anordnen zu können. Er ließ in den Stadtvierteln Lazarette errichten, verfügte die Trennung der Kranken von den Gesunden, verordnete Desinfektions- und Hygienemaßnahmen, wie zum Beispiel auch Mindestabstände in der Kirche und auf öffentlichen Plätzen.

Gleichzeitig war er davon überzeugt, dass die Frivolität der Mailänder Gesellschaft diese Seuche in der Stadt erst provoziert hatte und Gott die Menschen damit zur Umkehr und Rettung ihrer Seelen bringen wollte. Daher organisierte Karl Borromäus drei große Bittprozessionen, bei denen jede Pfarrei gesondert ging, um die Kontakt- und Ansteckungsgefahr zu verringern. Er selbst ging bei den Prozessionen barfuß und bot sich Gott als Opfer an für die Erlösung des Volkes von der Epidemie. Er wurde nicht müde, Kranke zu besuchen und die Sterbesakramente zu spenden, auch ging er in die Pesthäuser und half dort, wo er konnte. Dabei passte er auf, niemanden in Gefahr zu bringen; so ist überliefert, dass er seine Hände nach der Krankenkommunion über einer Kerzenflamme desinfizierte. Sein ganzes Vermögen gab er für die Bedürftigen aus.

Und doch wurde die Pest nicht schwächer, sodass schließlich auch für Mailand eine mehrwöchige strenge Quarantäne angeordnet wurde. Um die Menschen geistlich zu stärken, ließ er auf den Plätzen heilige Messen feiern, damit die Menschen in Hör- und Sichtweite daran teilnehmen konnten. Er ließ die Prozessionen in die Häuser verlegen und motivierte die Menschen dazu, ihre Wohnungen zum Haus des Gebets zu machen. Mehrere Gebetszeiten, zu denen auch die Glocken der Stadt läuteten, strukturierten den Tag und die Leute stimmten ein in Gebete und Gesänge. Der erste Biograph von Karl Borromäus, Giovanni Pietro Giussani, tief beeindruckt über diese Zeit und den Kardinal, schrieb: „Das war ein Anblick, als alle Bewohner dieser großen Stadt, fast 300.000 Seelen, sich vereinten, um Gott zur gleichen Zeit zu preisen, indem sie eine gemeinsame harmonische Stimme mit der Bitte um Befreiung von ihrer Plage emporsteigen ließen.“

Zu Weihnachten 1576  war die Pest endlich weitgehend besiegt und die Menschen durften wieder ins Freie. Karl Borromäus starb 1584 im Alter von erst 46 Jahren stark entkräftet, nachdem er sich auch bei weiteren Pestwellen in seiner Bischofsstadt mit Leib und Seele für die Belange der Bewohner eingesetzt hatte.

Gewiss, es war eine andere Zeit, in der Karl Borromäus lebte. Die Gedankenwelt war in jeder Hinsicht eine andere. Dazu zählte auch das religiöse Empfinden, der Glaube, die Gottesvorstellung.

Aber es gibt auch heute viele Menschen, die sich für die an Corona erkrankten Mitmenschen einsetzen, ihnen hilfreich zur Seite stehen. Ich denke an die vielen Ärzte und Krankenschwestern und-pfleger in den Krankenhäusern; ich denke an die Pflegerinnen und Pfleger in unseren Seniorenheimen. Ihnen allen, die sich hier und da am Rand ihrer körperlichen Kräfte befinden und fast unmenschliches leisten, ihnen gilt unser aller Dank, Hochachtung und unser Gebet.

Umso unverständlicher ist es, dass es immer noch Menschen gibt, die das alles nicht sehen oder sehen wollen, nicht wahrhaben wollen, die sich gegen die Einschränkungen zur Wehr setzen, Ich-Menschen sind. Diese Personen müsste man eigentlich in Einrichtungen verweisen, in denen sie die kranken und alten Menschen mitpflegen müssten um so zu sehen, was es heißt, unter Corona leiden zu müssen.

Schwestern und Brüder, es gibt sicherlich fragwürdige und sich widersprechende Entscheidungen und Anordnungen, die in der letzten Zeit von der Politik getroffen wurden. Aber sie sollen und wollen uns alle helfen, dass wir uns gegenseitig schützen und so mit dazu beitragen, dass diese Pandemie bald ein Ende finden möge. Dazu zählen auch die Maßnahmen, die wir als Kirche mittragen und die ganz gewiss nicht leicht zu akzeptieren und auch durchzuführen sind.

Liebe Mitchristen, haben wir den Mut wie Karl Borromäus, nicht nur unsere dadurch eingeschränkte Bewegungsfreiheit zu beklagen, sondern auch die Möglichkeit im Blick zu haben, um so uns gegenseitig Hilfe und Stütze zu sein im Kampf gegen die Pandemie. Amen.

P.Ludwig Eifler O.Carm.