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Spirituelles

  • Wort der Woche
  • Predigt 26.7.2020
  • Predigt 15.8.2020

25. Sonntag im Jahreskreis

Matthäus 20, 13-14
Da erwiderte er einem von ihnen: Freund, dir geschieht kein Unrecht. Hast du nicht einen Denar mit mir vereinbart? 14 Nimm dein Geld und geh! Ich will dem Letzten ebenso viel geben wie dir.

Die "Vorgeschichte" zu dieser Abfuhr einer Beschwerde ist das vielleicht provozierendste Reich-Gottes-Gleichnis Jesu: Die Arbeiter im Weinberg, die für (sehr) unterschiedlich lange Arbeitszeit den gleichen Lohn erhalten. Das ruft Protest hervor. Völlig zu Recht, wenn wir an Maßstäbe für gerechte Entlohnung denken.
Das, was Jesus mit dem Reich Gottes meint, ist mit diesen Maßstäben nicht zu erfassen. Die Botschaften hinter dem unterschiedslos gleichen Lohn für alle sind: wer mitarbeitet, erhält Lohn; Enttäuschung ist gewiss, wenn ich überzeugt bin, durch meine Leitsung mehr wert zu sein als andere; mehr als dass Gott bei den Menschen ist, geht nicht. So funktioniert weder unsere Gesellschaft, noch unsere Wirtschaft - und zur Zeit Jesu war es nicht anders. Dass die "Kamele" unserer Sichtweisen durch die Nadelöhre gehen, könnte damit beginnen, dass wir uns von den neuen Bildern herausfordern lassen und nicht murrend davongehen.

Sonntag, 26. Juli 2020
1 Kön 3, 5-7.12 und Mt 13, 44-52

Liebe Mitchristen!

Träume sind Schäume, so sagen manche Menschen; sie sind wie Seifenblasen; und was aus denen wird, das wissen wir alle: sie zerplatzen, weil sie jeglicher Realität entbehren.

Doch stimmt das wirklich? Träume haben durchaus etwas mit unserem Leben, mit der Realität zu tun. Zumindest mit dem Leben, das wir nicht zulassen, das wir verdrängen, das wir nicht wahrhaben wollen; also mit unseren Schattenseiten. Aber auch mit dem Leben, das wir uns vorstellen und wünschen, nach dem wir uns sehnen. In unseren Träumen sind wir nämlich ganz wir selbst, sind wir zutiefst ehrlich; ganz gleich, ob uns das Geträumte erschrecken mag oder ob es uns mit Freude und innerer Ruhe erfüllt. Im medizinischen Bereich, besonders in der Psychotherapie, spielen Träume und deren Deutung eine wichtige Rolle und zwar deshalb, weil sie eben sehr viel mit der erlebten Tageswirklichkeit gemein haben, um bloß unwirksame Einbildung zu sein. Es gibt zwar auch Tragträumerinnen und Tagträumer, aber meistens träumen wir Menschen doch in der Nacht oder besser gesagt, wenn wir schlafen. Und der Schlaf ist in der Bibel ein Bild für den Tod. So wie der Mensch im Tod ganz von sich lässt, so auch im Schlaf. Die Ratio, der Verstand, ist ausgeschaltet. Nun können die Wünsche und Sehnsüchte, aber auch die Enttäuschungen und Ängste aus der Versenkung emporsteigen und ans Licht gebracht werden. Träume sagen uns, wer wir sind oder wer wir gerne sein möchten.

Wenn nun König Salomo „nachts im Traum“ der Herr erscheint und ihn auffordert: „Sprich eine Bitte aus, die ich dir gewähren soll“ (1 Kön 3,5) kommt, auf dem Hintergrund dessen gesehen, was ich vorhin sagte, zum Ausdruck: Salomo ist im Schlaf ganz er selbst. In diesen jungen Jahren steht er ganz mit seinem Gott Jahwe in Verbindung. Er nimmt sich Zeit für ihn; und das nicht nur in hellwachem Zustand, sondern auch noch im Schlaf, im Traum. Und so kann Gott zu ihm kommen. Salomo ist sogar so offen für Gott Jahwe, dass er einen Wunsch äußern darf. Und Salomo bittet um „ein hörendes Herz“ (1 Kön 3,9). Er bittet damit um Weisheit, um Klugheit für die Praxis seiner Regierung; er bittet um die Fähigkeit der rechten Unterscheidung von Gut und Böse und um gute Entscheidungen.

Liebe Schwestern und Brüder, die Bitte des Salomo um „ein hörendes Herz“ sollte auch uns zu denken geben und uns veranlassen, um gleiches zu bitten. Denn in dieser Bitte ist all das ausgedrückt, was wir sehr notwendig brauchen, gerade in unserer heutigen Zeit: Hinzuhören auf den anderen Menschen neben mir und das dabei zu hören, was er nicht sagt oder was er nur vage, sozusagen zwischen den Zeilen ausspricht, um ihn schließlich zu verstehen.

Ein hörendes Herz zu haben steht uns Christen gut an. Mit dem Herzen nehmen wir das Wort Gottes auf, mit unserer ganzen Existenz glauben und Vertrauen wir Gott, der auf vielerlei Weise zu uns spricht: Durch Jesus und seine frohe Botschaft, durch die eigene Lebenserfahrung und die anderer, durch geschichtliche Ereignisse und konkrete Lebenssituationen. Das hörende Herz weiß dann in allem das Gute vom Bösen zu unterscheiden. Und dies erinnert uns an den viel zitierten Satz von Antoine de Saint Exupery in seinem „Kleinen Prinzen“: „Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“

Liebe Christen, das sehende oder hörende Herz sagt mir also, was ich unbedingt brauche und welcher meiner vielen Wünsche und Träume zum Guten führt. Das hörende und sehende Herz sagt mir aber auch, was mein Nächster wirklich braucht. Das hörende und sehende Herz ist gleichsam auch der Schatz im Acker, von dem Jesus im Evangelium sprach. Den Schatz zu finden, kann ein Lebenswunsch, ein Lebenstraum sein, aber auch, ja sicherlich eine Lebensaufgabe. Ich wünsche Ihnen und mir, dass wir dabei nicht müde werden, sondern trotz allem Auf und ab immer mehr zu Menschen werden, die mit dem Herzen hören und sehen. Amen.

P. Ludwig Eifler O.Carm.

Hochfest Mariä Aufnahme in den Himmel

Liebe Mitchristen,

Das „Hochfest Aufnahme Mariä in den Himmel“, so der offizielle liturgische Titel des Festes, hat nicht nur vielen Theologen vergangener Zeiten Kopfzerbrechen bereitet, Fragen und Zweifel aufkommen lassen, sondern auch in unseren Tagen sind die Fragen über Maria, die Zweifel an ihrer Jungfrauengeburt, die Aufnahme in den Himmel mit Leib und Seele und natürlich auch die Art und Weise der Marienverehrung mancherorts, nicht verstummt. Und dennoch findet kaum ein Mensch in der Nachfolge Jesu soviel Beachtung wie Maria. Obwohl wir von ihr keine Lebensbeschreibung oder gar Selbstbiografie haben, in der Bibel wird uns einiges über sie berichtet, was für uns durchaus Maßstab sein kann, an dem wir uns prüfen sollten. Was die heiligen Schriften von ihr sagen, reicht in unser Verhalten, geht unsere Entscheidungen an, die wir tagtäglich zu treffen haben. Denn wir werden gefragt: Wie sieht es mit meiner Bereitschaft, mit meinem Ja zum Willen Gottes aus? Niemand wird gezwungen; niemandem wird eine Lehre aufgenötigt. Es ergeht lediglich ein Ruf, eine Einladung an uns Menschen, fast so nebenbei, meist unerwartet. Und einfache Menschen gehen mit, verlassen alles, lassen sich ein auf ein Abenteuer; dieses Abenteuer heißt Gott, heißt Jesus. Aber es ist gleichzeitig auch ein Abenteuer Gottes mit uns.

Der Weg der Nachfolge Jesu, liebe Schwestern und Brüder, begann mit Maria; irgendwo in Nazareth. Sie hört ein Wort, fühlt sich betroffen, kommt nicht mehr los davon. Sie sagt ja zu einem Weg, der ihr völlig dunkel erscheint. Und wenn wir uns diesen Weg anschauen stellen wir fest: Es blieb ihr nichts erspart. Und dennoch glaubt sie. Durch alle Missverständnisse und alles Nichtverstehen hindurch, hält sie zu ihrem Sohn – bis unter das Kreuz. Maria, ein Mensch wie wir alle, eine Gerufene und Erwählte, die ringen muss um ihren Glauben, auf die aber immer Verlass ist. Gottes Wort traf in Maria auf ein offenes  Herz und einen bereiten Willen: „Ich bin die Magd des Herrn; mit mir geschehe es so, wie du es gesagt hast“; so lautet ihre Antwort auf Gottes Anruf und das heißt: Ich stehe ganz Gott zur Verfügung. Und nachdem Maria ihr großes Ja gesprochen hat, eilt sie zu ihrer Verwandten Elisabeth. Elisabeth ihrerseits preist Maria selig, weil diese glaubt, dass sich erfüllen wird, „was der Herr ihr sagen ließ.“

Marias Antwort auf das, was ihr von Gott durch den Engel gesagt wurde und von Gott her geschehen ist, ist ihr großer Lobgesang, das Magnifikat, das wir soeben im Evangelium gehört haben. Wir hören keine Bitte, nur Lobpreis und Dank. Hier betet ein Mensch, der erfahren durfte, wie groß Gott ist. Darum lautet das erste Wort: „Hochpreist meine Seele den Herrn.“ Das heißt wörtlich: Mach IHN groß! Du kannst gar nicht groß genug von IHM denken. Er ist immer noch größer! „Und ich freue mich über Gott“, und muss diese Freude hinausrufen. Denn ich bin ja nur ein einfaches Geschöpf, unbedeutend. Aber Gott kennt mich und er sieht mich.

Und wenn wir nun unser Leben betrachten, liebe Mitchristen, wie viel Großes hat Gott an uns bereits getan in unzähligen Kleinigkeiten. Oder sind wir dafür schon blind geworden, oder betrachten wir alles gar schon als eine Selbstverständlichkeit? Aber „sein Erbarmen hört niemals auf.“ Gott hat also ein Herz für uns alle, ja für einen jeden einzelnen von uns. Maria weiß um die Nähe Gottes in ihrem ganz persönlichen Leben. Sie erfährt Gott aber auch als den Herrn der Geschichte. Die Menschen brüsten sich zwar mit Ehre, Reichtum, Macht – damals genauso wie heute. Doch am Ende gehen sie leer aus. Von ihrer Größe bleibt nichts. Groß ist für Maria nur Gott. Und dieser Gott steht auf der Seite der Kleinen. Seine Schwestern und Brüder sind die Armen, die Hungrigen, die Gequälten, die an den Rand der Gesellschaft Gedrängten; es sind die, von denen wir meinen, sie seien selbst schuld an ihrem miesen Schicksal. Aber gerade ihnen gehört sein Reich in ganz besonderer Weise und nicht denen, die selbstherrlich und selbstgerecht auf sie herabschauen, wohl meinend, wie gut und edel sie sind und welch ordentliches Leben sie doch führen.

Maria schließt dann ihr Gebet mit einem Wort des Propheten Jesaja das da heißt: Gott nimmt seinen Knecht an; er lässt seine Gemeinde nicht im Stich (vgl. Jes 41,8-10). Denn Gott ist ja ein Gott der Treue; er ist der Gott: ICH – BIN – DA, wo immer auch der Mensch ist; denn er hat uns ja erwählt. Darum brauchen wir uns auch nicht zu fürchten; er ist mit uns; er macht uns stark, er hilft uns! Er hat uns in seine Hand geschrieben; wir sind sein – vorausgesetzt, wir wollen es so.

So wie Maria von diesem Gott Zeugnis gab durch ihre Lebensweise, durch ihr Handeln, durch ihr Bekenntnis, so ist auch der Sinn unseres Lebens und der Sinn einer jeden Gemeinde: Von diesem Gott dankbar Zeugnis zu geben, von dem Gott, der uns führt und zusammenschließt. Dieses Zeugnisgeben kann sehr verschieden aussehen. Es kann sich am Kochherd, in der Kindererziehung, am Fließband, im Büro, in der Schule ebenso verwirklichen wie in der Abgeschiedenheit eines Karmelitinnen- oder Kartäuserklosters. Zeugnisgeben beinhaltet allerdings nicht nur Freude, Friede, Glückseligkeit, sondern durchaus auch ein Ringen, Kämpfen, Suchen, Fragen nach dem, was Gott von mir ganz persönlich will; was sein Auftrag, seine Aufgabe für mich ist, dort, wo ich lebe und arbeite, er mich hingestellt hat.

Schwestern und Brüder, Maria hat uns das in einzigartiger Weise vorgelebt. Doch geht es nicht darum, dass wir Christen gleichsam eine Kopie Mariens sein sollen. Vielmehr will uns die Bibel sagen und lehren: Das Wort Gottes hat vom Dasein Marias durch und durch Besitz ergriffen. Sie gehörte Gott – ganz und radikal. Nichts Gottfeindliches hatte in ihr Raum. Gott war ihr Herr. Und als Lohn für ein solch gottinniges Leben, das begann mit dem großen Ja zum Plan Gottes mit ihr, das sich hinzog bis unter das Kreuz ihres Sohnes, empfängt sie, die Mutter aller Glaubenden, als erster Mensch nach ihrem Sohn Jesus die Krone des ewigen Lebens bei ihrem Sohn Jesus und bei dem, der sie gerufen hat, Gott.

Wer also dieser Magd, liebe Mitchristen, die jetzt unsere Fürsprecherin bei Gott ist, nacheifert, wer sich wie sie, so gut es ihm möglich ist, auf Gottes Ruf und Gnade einlässt und wer selbst sein Bestes dazu beiträgt, der darf demgemäß auf das Leben bei Gott, das ewige Leben, hoffen und mit Maria dort die Herrlichkeit Gottes schauen. Amen.

P. Ludwig Eifler O.Carm.