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Spirituelles

  • Wort der Woche
  • Predigt Weihnachten 2018
  • Neujahrspredigt 2019

6.Sonntag im Jahreskreis

17.Februar 2019

Aus dem Lukasevangelium (Lk 6,20):

„Selig, ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes.     Selig, die ihr jetzt hungert, denn ihr werdet satt werden. Selig, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen.“

Selig nennst du die Armen, Jesus Christus, selig nennst Du die Hungernden. Verbanne uns nicht aus deiner Liebe, entzieh uns nicht deinen Trost. Auch wir hungern nach deiner Liebe, auch wir betteln um ein Stück Hoffnung. Auch wir sind in Angst. Hülle uns mit allen deinen Armen und Hungernden in deine Liebe ein. Du bist das Leben, dich beten wir an. Heute und alle Tage. Amen.

Liebe Festgemeinde,

da feiern wir, wie „alle Jahre wieder“, heute das Weihnachtsfest, die Geburt Jesu, des Erlösers der Menschheit von allen Übeln. Wir feiern, dass Gott einer von uns geworden ist, sich herabgelassen hat in unser Erdendasein.

Wir feiern auch in diesem Jahr Weihnachten in einer Zeit, die vielerorts von Unfriede geprägt ist, obwohl die Engel damals den Hirten auf dem Feld verkündeten, wir haben es eben im Festevangelium gehört: „Friede den Menschen auf Erden!“ Dieser Unfriede geht oft bis hinein in unsere Ehen und Familien, ja auch in unsere Ordensgemeinschaften und ruft manchmal hier und da Gewalt hervor, ja sogar Totschlag und Mord.

Wir feiern Weihnachten in einer Zeit, in der die wehrlosesten Menschen, die Kinder, oft mit Füßen getreten, misshandelt werden, seelisch darunter leiden, dass sich die Eltern nicht  mehr verstehen, sich getrennt haben und nicht oder kaum geschieden, bereits der nächste Partner, die nächste Partnerin im Haus ist, ohne dabei zunächst einmal die eigene Situation zu überdenken, Ursachenforschung zu machen, warum es denn eigentlich soweit gekommen ist, um daraus zu lernen und entsprechende Konsequenzen zu ziehen. Das sind für die Kinder unheimliche Wechselbäder der Gefühle, die wir Erwachsene oft nicht sehen oder verstehen wollen und die bei den Kindern nicht so einfach nur in den Kleidern hängen bleiben. Die Erfahrungen zeigen es uns doch fast täglich, sei es im Kindergarten oder in der Schule.

Wir feiern Weihnachten in einer Welt und Zeit, in der Kinder weltweit Hunger leiden müssen, besonders im Jemen, weil politische Machthaber nur an sich selbst denken.

Wir feiern Weihnachten in einer Zeit, wo in Indonesien durch einen Zunami tausende von Menschen obdachlos geworden sind, weil sie ihr Hab und Gut dadurch verloren haben und nach heutigem Stand fast 400 Menschen, darunter auch viele Kinder, ihr Leben lassen mussten.

Wir feiern Weihnachten in einer Zeit, in der nach einer „Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung“ das Kinderkriegen in unserem Land für viele Deutsche immer unattraktiver geworden ist. Im europaweiten Vergleich ist Deutschland statistisch gesehen mit 1,39 Kindern pro Frau Schlusslicht. Die Gründe dafür sind sehr verschieden. Doch sagt die Auswertung der Studie aufgrund der Befragung ganz deutlich, dass bei Mann und Frau zum einen Beruf und Karriere im Vordergrund stehen, dass aber andererseits, und das finde ich erschreckend an dieser Befragung, Kinder nicht mehr als Quelle von Lebensfreude und Zufriedenheit wahrgenommen werden. Anders ausgedrückt, schärfer und als Frage formuliert: Sind Kinder eine Last geworden?

Liebe Schwestern und Brüder, jeder von uns muss diesbezüglich selbst in sich hineinschauen, hineinhorchen, muss seine eigene Antwort darauf zu geben suchen auf die Realität in unserem Land, die sich aber ganz gewiss in nicht allzu weiter Zukunft, und dazu braucht man kein großer Prophet zu sein, auf unsere Gesellschaft negativ auswirken wird. Denn keine Gesellschaft kommt dauerhaft ohne eigenen Nachwuchs aus. Der Arbeitskräftemangel in unserem Land hängt einerseits damit zusammen, andererseits aber auch damit, dass viel Unternehmen vor Jahren keine Ausbildungsplätze zur Verfügung gestellt haben. Und die Statistik sagt bei uns auch, dass der Großteil der Geburten sozusagen auf das Konto von nicht deutschen Eltern, von sogenannten Zuwanderern, Emigranten, Flüchtlingen gebucht werden muss.

Wir feiern Weihnachten aber auch in einer Zeit, in der der Kirche durch das Aufdecken von Missbrauchsfällen an Kindern und Jugendlichen durch eigenes Personal, aber auch durch mangelnde Konsequenzen seitens der Verantwortlichen in den bischöflichen Zentralen und auch in den Ordensgemeinschaften großer Schaden an den Schutzbefohlenen wie auch an der Gemeinschaft der Kirche als solcher zugefügt wurde. Und viele Menschen haben daher auch entsprechende Konsequenzen für sich gezogen.

Ein ganz anderes Beispiel gibt uns Jesus selbst. Er hat die Kinder zu sich gerufen; er war ihnen Freund und Beschützer; er hat ihnen die Hände aufgelegt und sie gesegnet. Ja, er hat sogar den Erwachsenen, seinem engsten Jüngerkreis, zugerufen und sie ermahnt: „Wenn ihr nicht werdet wie Kinder, könnt ihr nicht in das Himmelreich gelangen“ und er sagte weiterhin, „wer ein solches Kind aufnimmt, der nimmt mich auf!“ Das heißt nicht, dass wir kindisch werden müssen, aber offen, empfangsbereit, ehrlich, zutraulich und ohne Grund fröhlich sein wie ein Kind. Und das selbst noch als erwachsener Mensch, auch wenn es uns hier und da nicht immer zum Lachen zumute ist; ja gerade in diesem Altersstadium ist es wichtig, gegenseitig eine gewisse Natürlichkeit und Offenheit an den Tag zu legen, damit unsere Welt, unsere kleine Umwelt um uns herum, durch uns als Christen froher und heller wird. Grundlage oder anders gesagt Wurzelgrund dafür ist und bleibt die Botschaft von Jesus Christus, der nicht gekommen ist, mit Waffen eine friedliche Welt zu schaffen, sondern vielmehr durch die Art und Weise seines Lebensstils, seines Umgangs mit den Menschen. Und all das war geprägt von seiner Beziehung zu Gott, seinem Vater, war geprägt von Liebe.

Und genau diese Gottesbeziehung ist es, liebe Schwestern und Brüder, die meines Erachtens heute vielen Menschen fehlt. Und das nicht nur bei uns, sondern vielmehr auch europaweit. Denn wie lassen sich sonst die aufkeimenden und hier und da schon blühenden Nationalismen bei uns aber auch in manch anderen europäischen Ländern erklären? Für Christen gibt es keine Fremden, für Christen gibt es keine Ausländer.

Und daher stellt sich für jeden Einzelnen von uns auch die Frage hinsichtlich der Gottesbeziehung: Was bedeutet mir denn mein Glaube? Wie lebe ich ihn? Welche Nahrung führe ich ihm zu, damit er gestärkt wird und ich im Alltag für mich selbst davon leben aber auch Zeugnis ablegen kann, andere dadurch von mir angesteckt werden? Wir staunen immer wieder, wie doch Viele unserer muslimischen Glaubensbrüder und –schwestern zu ihrem Glauben stehen und ihn bekennen und für ihn und ihren Gott Allah eintreten. Dabei meine ich keineswegs die, die fanatisch, fundamentalistisch sind und andere Menschen durch ihren selbstgezündeten Munitionsgürtel am Leib oder auf eine andere Art und Weise noch mit in den Tod reißen und damit meinen, Gott dadurch einen Dienst zu erweisen, so wie in der vergangene Nacht in Afghanistan wieder geschehen. Die haben überhaupt nichts verstanden von der Botschaft ihres Gottes. Ich meine vielmehr die, die aus ihrem Glauben heraus leben und handeln und so auf andere Menschen positiv zugehen.

Das Weihnachtsfest, liebe Schwestern und Brüder, will uns wieder neu bewusst machen, worauf es ankommt, wer die Mitte unseres Lebens sein soll, von dem her wir unser Denken, Reden und Handeln bestimmen lassen. Lassen wir uns doch vom Kind in der Krippe nicht für wenige Augenblicke oder nur ein paar Tage lang sentimental ergreifen und dann wieder im gewohnten Trott weiter gehen. Nein, machen wir es wie die Hirten: Lassen wir die Bewegung zum Kind hin und vom Kind weg hinein in den Alltag, und das mit der Botschaft dieses Kindes im Herzen, nie aufhören. Tragen wir so die Botschaft von Weihnachten tagtäglich in unsere Häuser, in unsere kleine Umwelt hinein; machen wir durch unsere guten Begegnungen und Beziehungen in unseren Familien, mit den Mitmenschen, die ihren Wurzelgrund in der Botschaft vom Kind in der Krippe haben, die Welt um uns herum ein wenig froher, heller, liebenswerter, und begegnen wir unseren Kindern mit der Offenheit und Herzenswärme, mit der Jesus ihnen begegnet ist. Sagen wir Ja zu Kindern und sagen wir damit Ja zum Leben und zur Zukunft. Zu einer Zukunft, in der Gott immer wieder neu als Mensch erfahrbar wird und erfahrbar bleibt. Egoistisches Denken, Beruf und Karriere allein machen nicht glücklich. Sie führen vielmehr über kurz oder lang immer mehr in die Armut hinein; weniger vielleicht in eine materielle Armut, als vielmehr in eine geistig-seelische Armut, in eine Herzensarmut die sich schließlich negativ auswirken wird auf die ganze Gesellschaft, auf die Lebensumstände in ihr. Beispiele dafür gibt es genügend. Und viele Menschen bedürfen gerade deswegen ja auch professioneller Hilfe durch Psychotherapeuten und Psychiater.

Liebe Mitchristen, „Christ, der Retter ist da!“ Das ist die Botschaft von Weihnachten. Gott hat seine Zusage, verkündet durch die Propheten in einem Zeitraum von über 2000 Jahren, wahr gemacht in Betlehem, in Brothausen, so können wir dieses Wort ja übersetzen, indem er Mensch geworden ist, einer von uns. Der Heilige Abend und Weihnachten sind also erneut eine Einladung an uns, liebe Mitchristen, sich wieder neu zu besinnen auf die kostbaren und wertvollen Momente, die uns das Leben bereit hält und was Jesus Christus uns gelehrt hat: Mensch zu werden, Mensch zu sein, Mensch zu bleiben, bereit zur Nächstenliebe, Gemeinsamkeit, neue Quellen finden, die alle Menschen mit Lebensenergie und Zuversicht erfüllen, neuen Mut und Hoffnung schöpfen lassen für die weitere Zukunft, damit ER sichtbar und erfahrbar werden kann durch uns und wir nicht nur heute weihnachtliche Menschen sind sondern auch die kommenden Tage, Wochen und Monate des neuen Jahres. Das ist mein Wunsch für Sie alle an diesem Weihnachtsfest des Jahres 2018. Haben Sie Mut und lassen Sie sich, ja lassen wir uns anstecken vom Kind in der Krippe, dass es für uns Retter sein kann und wir uns von IHM auch retten lassen. Seine weit ausgebreiteten Arme sind ein großes Zeichen der Einladung dahingehend. In sie dürfen wir uns so hineinlegen, hineinfallen, umfangen lassen so wie wir sind, so wie es uns zumute ist. Ich wünsche Ihnen und mir von Herzen diese Erfahrung der großen Liebe Gottes. Amen.

P. Ludwig Eifler O.Carm.

Liebe Schwestern und Brüder,

vor wenigen Stunden haben wir ein Jahr beendet, das jeder für sich anders bewerten wird, weil jeder von uns seine je persönlichen Erfahrungen dabei gemacht hat. Es gibt aber sicherlich auch Gemeinsamkeiten, die wir gleichermaßen empfinden, die uns alle gleichermaßen bewegten und vielleicht immer noch bewegen. Alles in allem wird auch das Jahr 2018 in die Geschichte eingehen; als was, das werden die Historiker in späteren Zeiten zu sagen wissen. Viele Bilder, die uns die Medien in den letzten Tagen in Erinnerung zu rufen versuchten, bleiben uns dabei sicherlich unvergesslich. Hinzu kommen allerdings ganz besonders natürlich die Erlebnisse und Erfahrungen im privaten, persönlichen Leben wie Ehe und Familie, in unserer Ordensgemeinschaft. Allerdings, und das dürfen wir nicht vergessen, an allen Ereignissen, ob positiv oder negativ, waren Menschen beteiligt, weil Gott ja die Weiterführung seiner guten Schöpfung uns Menschen anvertraut hat.

Es gab und gibt aber auch Ereignisse und Dinge, auf die wir keinen Einfluss hatten und haben, die wir einfach so hinnehmen mussten und müssen. Und dennoch sind wir durchaus mitverantwortlich für Geschehnisse besonders in unserem engen Lebensbereich. Wir tragen aber auch eine Teilverantwortung in größeren Bereichen durch unser Engagement oder durch unsere Teilnahmslosigkeit. Gewiss, es gibt sozusagen eine Staffelung der Verantwortung auf verschiedensten Gebieten. Bei unseren Möglichkeiten des Mitwirkens denke ich an unsere Mitverantwortung etwa bei Wahlen, sowohl auf politischer wie auch auf kirchlicher Ebene, die durch unsere Stimmabgabe wahrgenommen wird oder auch nicht. Ich denke aber auch an das Engagement in Vereinen oder Verbänden oder auf der kommunalpolitischen Ebene, wobei hier, allbekannt, auch Viele von uns über mangelndes Engagement klagen. Die „Lehnstuhlmentalität“ hat sehr stark zugenommen. Doch geht es dabei nicht darum, emotional zu denken und zu handeln und darauf den Schwerpunkt zu legen, also nicht „postfaktisch“, sondern vielmehr die Realität im Auge zu haben, sie wahr und ernst zu nehmen und danach zu handeln und zu entscheiden. Vielleicht ist es deshalb auch notwendig, den bekannten Dreischritt: „sehen, entscheiden, handeln“ umzudrehen in „handeln, entscheiden und sehen“ um schließlich daraus zu lernen, ob eine Entscheidung gut gewesen ist oder nicht. Allerdings kann es nicht sein, dass Verunglimpfungen, Hetze, Angstmacherei, Egoismen in den Vordergrund treten, so wie wir das in den zurückliegenden Monaten ja auch gesehen haben und schließlich bestimmte politische Richtungen daraus noch Kapital schlagen können, und das nicht nur bei uns sondern europaweit. Gott bewahre uns vor einer solchen Kurzsichtigkeit.

Lassen wir uns doch das nicht zerstören, ja zerstören wir doch das nicht selbst, was die Gründungsväter und –frauen unserer Republik aber auch Europas in oft mühevoller Kleinarbeit über Jahre hinweg aufgebaut haben. Sie hatten aufgrund der schrecklichen Erlebnisse und Ereignisse des Zweiten Weltkriegs eine Vision vom friedlichen Zusammenleben der Völker Europas und setzten hierfür all ihre Kräfte ein. Dafür stehen Namen wie Adenauer, Schuhmacher, Schumann, de Gaulle, de Gasperi. Doch all diesen großen Persönlichkeiten ist eines gemeinsam: Ihr christliches Glaubensfundament. Auf dieser Grundlage bauten sie ihre politische Vision auf, die sich schließlich dadurch in Realität verwandeln konnte. Erzfeinde wurden Freunde. Und nach und nach wurde der Traum von einem geeinten Europa zu verwirklichen versucht, so wie wir es heute vorfinden. Es droht aber zu scheitern, weil verschiedene Egoismen, ja Nationalismen in einzelnen Staaten wieder die Oberhand zu gewinnen scheinen, sich z.B. abschotten gegenüber Menschen, die, aus welchen Gründen auch immer, aus ihrer Heimat fliehen, weil sie dort  wohl keine Perspektiven für ihr Leben sehen und sie hier im Westen scheinbar ein gelobtes Land erwarten, in dem Milch und Honig fließen. Viele von ihnen mussten zurückkehren oder sind freiwillig wieder zurückgekehrt, weil ihre Erwartungen nicht erfüllt wurden. Es war, ist und bleibt eine große Herausforderung für uns und die verschiedenen europäischen Staaten. Alle sind gefordert; keiner von ihnen kann sich da heraushalten.

Und so gibt es auch bei uns viele Menschen, auch hier im Alftal, die sich ehrenamtlich in ihrer Freizeit dieser ganzen menschlichen Probleme von Flüchtlingen, die damit auch verbunden sind, annehmen, ihre Kräfte einsetzen und helfen, wo Hilfe nötig und möglich ist. Es gibt aber auch solche, denen all das ein Dorn im Auge ist, die sich selbst vernachlässigt fühlen und meinen, zu kurz zu kommen. Und das nicht nur bei uns hier, sondern europaweit. Und hier fehlt meines Erachtens der christliche Wurzelgrund, das christliche Gedankengut, basierend auf der Botschaft von Jesus, der gekommen ist, zu suchen und zu retten was verloren ist und das über alle Religionszugehörigkeit hinweg und für den wir Hier und Heute seine Botinnen und seine Boten sind. Und da gilt es, Zeichen zu setzen, damit Nationalismen keine Chance bei uns haben. Denn wir sind schließlich katholisch, nicht konfessionell gesehen, sondern allumfassend, weltweit, wie dieses Wort zu übersetzen ist. Und da gibt es keine Fremden und schon gar keine Fremdenfeindlichkeit, da gibt es keine Ausländer.

Schwestern und Brüder, der Blick auf die Welt, auf die ganze Kirche und schließlich auf die Kirche vor Ort lässt uns durchaus fragen: Wie sieht die Zukunft der Kirche in unserem Land, in unseren Orten aus? Hier ist Bedachtsamkeit und Besonnenheit vonnöten; der Blick auf die örtliche Realität muss gewahrt bleiben. Und hier vor Ort gilt es dabei, Kirche am Leben zu erhalten, auch wenn die hauptamtlichen Kräfte rarer werden und wegen der Größe der Gebilde Omnipräsenz für sie nur schwer möglich sein wird. Es wird Einschränkungen geben müssen, auch bei der Anzahl von Gottesdiensten, sprich Messen. Und wenn mir die heilige Messe etwas wert ist, dann nehme ich auch ein paar Kilometer mehr in Kauf, um sie an einem anderen Ort mitzufeiern. Die Anzahl der Eucharistiefeiern hier im Alftal könnte man auf eine Vorabendmesse und eine Sonntagsmesse beschränken, gemessen an der Zahl der Mitfeiernden insgesamt. Hinzu kommen ja auch noch die Gottesdienste in unserer Klosterkirche.

Und dennoch, liebe Mitchristen, werden trotz Schrumpfung sowohl in der evangelischen wie auch in der katholischen Kirche, beide Institutionen mit großer Sicherheit die mit Abstand größten Institutionen jenseits des Staates bleiben, wichtige Träger der zivilen Gesellschaft und auch des kulturellen Erbes im Land. Das Abendland wird christlich bleiben, selbst wenn die Hälfte seiner Bewohner konfessionslos sein sollte oder jeder zehnte ein Muslim. Es wird nur anders christlich sein, als man es heute kennt: vielfältiger, weniger traditionell, sicher auch konfliktreicher. Das wird für den Staat und die Politik heißen, ein neues Verhältnis zu den Religionen zu finden. Das wird für die Kirchen heißen, dass immer weniger ihre institutionelle Macht zählt, sondern das, was sie sagt, wie sie auftritt, wie glaubwürdig sie ist. Aber das wäre ja nicht das Schlechteste. Oder? Papst Franziskus geht uns ja dabei als mutiges Beispiel voraus. Gleichzeitig wird es dann vonnöten sein, damit das eben gesagte auch erfahren werden kann, dass die biblische, liturgische und diakonale Komponente unseres christlich-katholischen Glaubens noch mehr gefestigt werden muss, um zu unserem Glauben zu stehen, ihn dadurch zu bezeugen und andere Menschen damit angesprochen, ja vielleicht sogar auch angespornt werden, gleiches zu tun.

Ja, liebe Mitchristen, die Verantwortung für jeden Einzelnen von uns wird größer. Das kann natürlich auch wiederum Fragen und Ängste hervorrufen dahingehend, was sollen denn die Laien noch alles machen? Ich denke, für uns Hauptamtliche liegen zukünftig die Aufgaben mehr darin, dafür zu sorgen, das geistlich-spirituelle Fundament der Gläubigen immer mehr zu stärken suchen, um so schließlich miteinander den Weg des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe zu gehen und das in und mit einer kleineren Herde. Papst Franziskus sagt dazu: „Wer mit Glaube, Hoffnung und Liebe lebt, geht mit einem hellen Licht dem kommenden Herrn entgegen. Wer sich aber von diesen guten Kräften unseres Lebens lossagt, der versinkt in die Finsternis des eigenen Herzens.“ Und ich füge hinzu, der wird unfähig, Glaube, Hoffnung und Liebe weiter zu tragen in eine glaubensarme, hoffnungslose und lieblose Welt.

Liebe Mitchristen, am Ende meiner Predigt danke ich zu Beginn des Neuen Jahres 2019 wiederum allen recht herzlich, die diesen Weg in den vergangenen Wochen und Monaten des alten Jahres 2018 in unserer Pfarreiengemeinschaft Alftal bereits mitgegangen sind; die sich in den Gremien Gedanken darüber gemacht haben, wie wir hier in unseren Gemeinden dieses Fundament stärken und somit sozusagen attraktiver werden können für unsere Umgebung. Ich danke meinen Mitbrüdern aus unserem Konvent Springiersbach für ihre Mithilfe in den Pfarreien, wenn es mal notwendig ist. Ohne diese würde manches noch wesentlich anders aussehen. Und ich wünsche uns allen, dass wir das auch im kommenden neuen Jahr 2019 miteinander fortsetzen können. Es wird ein spannendes Jahr werden, auch und gerade im Hinblick auf die Pfarrei der Zukunft. Heute in einem Jahr sind wir wohl schlauer. Und wenn wir dazwischen den Weg mit Jesus gehen und auch auf Maria, die Mutter Jesu, schauen, die den Weg des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe gegangen ist auch und gerade durch alle Höhen und Tiefen menschlichen Lebens, dann braucht es uns auch nicht bange zu sein im Blick auf die vor uns liegenden Tage, Wochen und Monate des Neuen Jahres 2019. Gehen wir Schritt für Schritt in sie hinein mit dem Frieden des Herrn. Denn Friede beginnt bei jedem Einzelnen von uns, im jeweiligen Herzen und wird so schließlich auch hineingetragen durch uns in unsere kleine Umwelt. Amen.

P. Ludwig Eifler O.Carm.