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Spirituelles

  • Wort der Woche
  • Weihnachtspredigt 2019
  • Predigt zum Fest der Hl. Familie

6. Sonntag im Jahreskreis, 16.02.2020

Matthäus 5,17 Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben! Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen.

Jesus ist gläubiger Jude. Wer ihm unterstellt, er wolle die Grundlage seines Gottesglaubens, das Gesetz Mose und die Propheten, aufheben, muss oder will seine Botschaft gründlich missverstehen. Das Schlüsselwort ist hier: erfüllen! Das ist offenbar anders und mehr als das Befolgen. Den Pharisäern kann man kaum unterstellen, dass sie das Gesetz nicht befolgen. Immer wieder wird davon berichtet, dass sie das sehr akribisch tun - und damit häufig seinen Sinn verfehlen. Erfüllen heißt wohl zweierlei - die Gesetzestexte und Prophetenworte mit der Brille der Gottes- Selbst- und Nächstenliebe zu lesen und danach zu handeln. Jesus nennt die Erfüllung an anderer Stelle so: das Gesetz ist für den Menschen da und nicht der Mensch für das Gesetz, weil der Mensch niemals Zweck für irgendetwas anderes ist. Das sei auch heute allen ins Stammbuch geschrieben, die die Schrift als wörtliche Anweisung verstehen und Traditionen und deren Erhalt für das Wichtigste halten.

Liebe Festgemeinde,

da feiern wir, wie „alle Jahre wieder“, heute das Weihnachtsfest, die Geburt Jesu, des Erlösers der Menschheit von allen Übeln. Wir feiern, dass Gott einer von uns geworden ist, sich herabgelassen hat in unser Erdendasein.

Wir feiern auch in diesem Jahr Weihnachten in einer Zeit, die vielerorts von Unfriede geprägt ist, obwohl die Engel damals den Hirten auf dem Feld verkündeten, wir haben es eben im Festevangelium gehört: „Friede den Menschen auf Erden!“ Dieser Unfriede geht oft bis hinein in unsere Ehen und Familien, ja auch in unsere Ordensgemeinschaften und ruft manchmal hier und da Gewalt hervor, ja sogar Totschlag und Mord.

Wir feiern Weihnachten in einer Zeit, in der die wehrlosesten Menschen, die Kinder, oft mit Füßen getreten, misshandelt werden oder seelisch darunter leiden, dass sich die Eltern nicht  mehr verstehen, sich getrennt haben und sie nun dazwischen stehen. Das sind für die Kinder unheimliche Wechselbäder der Gefühle, die wir Erwachsene oft nicht sehen oder verstehen wollen und die bei den Kindern nicht so einfach nur in den Kleidern hängen bleiben. Die Erfahrungen zeigen es uns doch fast täglich, sei es im Kindergarten oder in der Schule.

Wir feiern Weihnachten in einer Welt und Zeit, in der Kinder weltweit Hunger leiden müssen, weil politische Machthaber nur an sich selbst denken.

Wir feiern Weihnachten in einer Zeit, in der nach einer „Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung“ das Kinderkriegen in unserem Land für viele Deutsche immer unattraktiver geworden ist. Im europaweiten Vergleich ist Deutschland statistisch gesehen mit 1,39 Kindern pro Frau Schlusslicht. Die Gründe dafür sind sehr verschieden. Doch sagt die Auswertung der Studie aufgrund der Befragung ganz deutlich, dass bei Mann und Frau zum einen Beruf und Karriere im Vordergrund stehen, dass aber andererseits, und das finde ich erschreckend an dieser Befragung, Kinder nicht mehr als Quelle von Lebensfreude und Zufriedenheit wahrgenommen werden. Anders ausgedrückt, schärfer und als Frage formuliert: Sind Kinder eine Last geworden?

Wir feiern Weihnachten aber auch in einer Zeit, in der der Kirche durch das Aufdecken von Missbrauchsfällen an Kindern und Jugendlichen durch eigenes Personal, aber auch durch mangelnde Konsequenzen seitens der Verantwortlichen in den bischöflichen Zentralen und auch in den Ordensgemeinschaften großer Schaden an den Schutzbefohlenen wie auch an der Gemeinschaft der Kirche als solcher zugefügt wurde.

Wir feiern Weihnachten in einer Zeit, in der sich unser Bistum neu aufstellen wollte hinsichtlich der Pfarreienlandschaft und von Rom aufgrund zweier Interventionen aus dem Bistum zunächst das Stoppschild gezeigt wurde, was bei vielen Menschen in unserem Bistum zum einen Freude, zum anderen aber Enttäuschung und Ärger ausgelöst hat, zumal in unzähligen Sitzungen das Jahr über darüber beraten und auch entschieden wurde, wir uns mit der Situation, wie sie sich nun einmal in der Kirchenlandschaft insgesamt darstellt, mehr oder weniger abgefunden haben.

Und in all diese und noch mehr Realitäten hinein feiern wir nun heute, dass uns ein Kind geboren, ein Sohn uns von Gott geschenkt wurde durch Maria, der der Retter, der Erlöser genannt wird. Ist das nicht ein wenig paradox, liebe Schwestern und Brüder? Doch jeder von uns muss diesbezüglich selbst in sich hineinschauen, hineinhorchen, muss seine eigene Antwort darauf zu geben suchen auf die Realitäten in unserem Land, die sich aber ganz gewiss in nicht allzu weiter Zukunft, und dazu braucht man kein großer Prophet zu sein, auf unsere Gesellschaft negativ auswirken wird. Wir spüren es ja teilweise jetzt schon. Denn keine Gesellschaft kommt dauerhaft ohne eigenen Nachwuchs aus. Der Arbeitskräftemangel in unserem Land hängt einerseits damit zusammen, andererseits aber auch damit, dass viele Unternehmen vor Jahren keine Ausbildungsplätze zur Verfügung gestellt haben. Und die Statistik sagt bei uns auch, dass der Großteil der Geburten sozusagen auf das Konto von nicht deutschen Eltern, von sogenannten Zuwanderern, Emigranten, Flüchtlingen gebucht werden muss.

Ein ganz anderes Beispiel gibt uns Jesus selbst. Er hat die Kinder zu sich gerufen; er war ihnen Freund und Beschützer; er hat ihnen die Hände aufgelegt und sie gesegnet. Ja, er hat sogar den Erwachsenen, seinem engsten Jüngerkreis, zugerufen und sie ermahnt: „Wenn ihr nicht werdet wie Kinder, könnt ihr nicht in das Himmelreich gelangen“ und er sagte weiterhin, „wer ein solches Kind aufnimmt, der nimmt mich auf!“ Das heißt nicht, dass wir kindisch werden müssen, aber offen, empfangsbereit, ehrlich, zutraulich und ohne Grund fröhlich sein wie ein Kind, selbst dann, wenn uns aufgrund bestimmter Lebensumstände anders zumute ist. Und das selbst noch als erwachsener Mensch. Ja gerade in diesem Altersstadium ist es wichtig, gegenseitig eine gewisse Natürlichkeit und Offenheit an den Tag zu legen, damit unsere Welt, unsere kleine Umwelt um uns herum, durch uns als Christen froher und heller wird. Grundlage oder anders gesagt Wurzelgrund dafür ist und bleibt die Botschaft von Jesus Christus, der nicht gekommen ist, mit Waffen eine friedliche Welt zu schaffen, sondern vielmehr durch die Art und Weise seines Lebensstils, seines Umgangs mit den Menschen. Und all das war geprägt von seiner Beziehung zu Gott, seinem Vater, war geprägt von Liebe und Erbarmen.

Und genau diese Gottesbeziehung ist es, liebe Schwestern und Brüder, die meines Erachtens heute vielen Menschen fehlt. Und das nicht nur in unserem Land, sondern vielmehr auch europaweit. Denn wie lassen sich sonst die aufkeimenden und hier und da schon blühenden Nationalismen bei uns aber auch in manch anderen europäischen Ländern erklären? Für Christen gibt es keine Fremden, gibt es keine Ausländer.

Und daher stellt sich für jeden Einzelnen von uns auch die Frage hinsichtlich der Gottesbeziehung: Was bedeutet mir denn mein Glaube? Wie lebe ich ihn? Welche Nahrung führe ich ihm zu, damit er gestärkt wird und ich im Alltag für mich selbst davon leben aber auch Zeugnis ablegen kann, andere dadurch von mir angesteckt werden? Sie erfahren, dass es den Gott Immanuel, den Gott mit uns, mitten unter uns gibt. Wir staunen immer wieder, wie doch Viele unserer muslimischen Glaubensbrüder und –schwestern zu ihrem Glauben stehen und ihn bekennen und für ihn und ihren Gott Allah eintreten. Dabei meine ich keineswegs die, die fanatisch, fundamentalistisch sind und andere Menschen durch ihren selbstgezündeten Munitionsgürtel am Leib oder auf eine andere Art und Weise noch mit in den Tod reißen und damit meinen, ihrem Gott dadurch einen Dienst zu erweisen. Die haben überhaupt nichts verstanden von der Botschaft ihres Gottes. Ich meine vielmehr die, die aus ihrem Glauben heraus leben und handeln und so auf andere Menschen positiv zugehen.

Das Weihnachtsfest, liebe Schwestern und Brüder, will uns wieder neu bewusst machen, worauf es ankommt, wer die Mitte unseres Lebens sein soll, von dem her wir unser Denken, Reden und Handeln bestimmen lassen. Lassen wir uns daher doch vom Kind in der Krippe nicht für wenige Augenblicke oder nur ein paar Tage lang sentimental ergreifen und dann wieder im gewohnten Trott weiter gehen. Nein, machen wir es wie die Hirten: Lassen wir die Bewegung zum Kind hin und vom Kind weg hinein in den Alltag, und das mit der Botschaft dieses Kindes im Herzen, nie aufhören. Tragen wir so die Botschaft von Weihnachten tagtäglich in unsere Häuser, in unsere kleine Umwelt hinein; machen wir durch unsere guten Begegnungen und Beziehungen in unseren Familien, mit den Mitmenschen, die ihren Wurzelgrund in der Botschaft vom Kind in der Krippe hat, die Welt um uns herum ein wenig froher, heller, liebenswerter, und begegnen wir unseren Kindern mit der Offenheit und Herzenswärme, mit der Jesus ihnen begegnet ist. Sagen wir Ja zu Kindern und sagen wir damit Ja zum Leben und zur Zukunft. Zu einer Zukunft, in der Gott immer wieder neu als Mensch erfahrbar wird und erfahrbar bleibt. Egoistisches Denken, Beruf und Karriere allein machen nicht glücklich. Sie führen vielmehr über kurz oder lang immer mehr in die Armut hinein; weniger vielleicht in eine materielle Armut, als vielmehr in eine geistig-seelische Armut, in eine Herzensarmut die sich schließlich negativ auswirken wird auf die ganze Gesellschaft, auf die Lebensumstände in ihr. Beispiele dafür gibt es genügend. Und viele Menschen bedürfen gerade deswegen ja auch professioneller Hilfe durch Psychotherapeuten und Psychiater.

Liebe Mitchristen, „Christ, der Retter ist da!“ Das ist die Botschaft von Weihnachten. Gott hat seine Zusage, verkündet durch die Propheten in einem Zeitraum von über 2000 Jahren, wahr gemacht in Betlehem, in Brothausen, so können wir dieses Wort ja übersetzen, indem er Mensch geworden ist, einer von uns.

Der Heilige Abend und Weihnachten sind also eine Einladung an uns, liebe Mitchristen, sich wieder neu zu besinnen auf die kostbaren und wertvollen Momente, die uns das Leben bereit hält und was Jesus Christus uns gelehrt hat: Mensch zu werden, Mensch zu sein, bereit zu Nächstenliebe, Gemeinsamkeit, neue Quellen finden, die alle Menschen mit Lebensenergie und Zuversicht erfüllen, neuen Mut und neue Hoffnung schöpfen lassen für die weitere Zukunft, damit ER sichtbar und erfahrbar werden kann durch uns und wir nicht nur heute weihnachtliche Menschen sind sondern auch die kommenden Tage, Wochen und Monate des neuen Jahres. Das ist mein Wunsch für Sie alle an diesem Weihnachtsfest des Jahres 2019. Haben wir Mut und lassen wir uns anstecken vom Kind in der Krippe, dass es für uns Retter sein kann und wir uns von IHM auch retten lassen. Seine weit ausgebreiteten Arme sind ein großes Zeichen der Einladung dahingehend. In sie dürfen wir uns so hineinlegen, hineinfallen, umfangen lassen wie wir sind. Ich wünsche Ihnen und mir von Herzen diese Erfahrung der großen Liebe Gottes an diesem Weihnachtsfest für alle kommende Zeit. Amen.

P. Ludwig Eifler O.Carm.

Liebe Schwestern und Brüder,

wir haben wieder 365 Tage Lebenserfahrung persönlich aber auch im Miteinander machen können. Geprägt hat uns ganz gewiss das, was jeder von uns persönlich erlebt, vielleicht aber auch erlitten hat. Ich denke dabei an Menschen, die krank geworden sind oder die ein schweres Schicksal getroffen hat, was heute vor einem Jahr noch nicht abzusehen gewesen ist. Ich denke aber auch an diejenigen, die wieder neue Perspektiven am Horizont ihres Lebens entdeckt haben und diesen mutig gefolgt sind und immer noch folgen.    

In der politischen Landschaft kann man immer nur den Kopf schütteln, wie viele Animositäten und das Pochen auf eigene Vorstellungen und Rechte, die jeder durchzusetzen versucht, das Miteinander in einer Regierung erschweren. In einer Demokratie muss man Kompromisse eingehen, ohne zu meinen, dabei sein eigenes Gesicht zu verlieren oder gar Schaden zu erleiden. Das zeigt dann auch von einer gewissen Größe und Menschlichkeit.

Auch in der Kirche wird weiter gerungen um den richtigen Weg: sei es in Rom mit dem Papst und seinem Beraterstab, sei es in unserem Bistum Trier, wo es um die Umsetzung der Synodenbeschlüsse geht, sei es an der Basis, in den Pfarrgemeinden, wo Ängste dahingehend sich breit machen, die Selbständigkeiten zu verlieren. Und das hat ja zwei Gruppen dazu bewogen, gegen die Umsetzungsdekrete des Bischofs in Rom ihr Veto einzulegen. Und Rom hat reagiert. Wir kennen es. Bis zur Überprüfung kann noch viel Zeit ins Land gehen. Das darf aber nicht zu einem Stillstand in unseren Gemeinden führen. Die bestehenden PGR mit ihren Mitglieder wurden und werden daher gebeten, das Übergangsmandat wahrzunehmen. Und mich würde es sehr freuen, wenn das auch geschehen würde, trotz mancher Frustrationen und Enttäuschungen bei den Mitgliedern, aber auch bei mir selbst. Es geht letztendlich um die Verkündigung des Glaubens und um das Glaubensleben vor Ort.

Das Jahr 2020 wird sicherlich diesbezüglich auch wieder ein sehr spannendes Jahr werden und hoffentlich Klarheiten bringen, ohne dabei um die vielen anderen Unwägbarkeiten im persönlich-menschlichen Bereich zu wissen.

Ich danke allen, die auch in diesem zu Ende gehenden Jahr auf der pfarrlichen Ebene den Weg zusammen mit mir gegangen sind, die sich eingesetzt haben zum Wohle unserer Gemeinde. Denn nur gemeinsam können wir etwas erreichen; und das auch im Hinblick auf die Gestaltung des Innenlebens unserer Gemeinde, Es gilt, mit Gelassenheit und Ruhe die vor uns liegenden Dinge anzusehen und anzugehen. Und das insbesondere auf dem Hintergrund dessen, dass wir es nicht allein bewältigen müssen, sondern dass es uns mit Gottes Hilfe gelingen darf, gelingen darf.

Liebe Schwestern und Brüder, das Fest der Heiligen Familie, das wir heute auch feiern, zeigt uns dabei den Weg: Es ist der Weg der Gemeinsamkeit. Es ist ganz gewiss nicht so gewesen bei Maria, Josef und dem Jesuskind, wie es auf manchen kitschigen Schlafzimmerbildern früherer Zeiten zu sehen ist. Da scheint alles zu idyllisch und harmonisch zu sein, realitätsfern. Und in der Tat, es stimmt auch. Denn die Bibel zeichnet uns ein ganz anderes Bild der Familie Jesu. Das beginnt bereits bei der Geburt, die in ärmlichen Verhältnissen stattfand, außerhalb der menschlichen Gemeinschaft, in einem Stall. Das setzt sich fort in dem Befehl, sofort in die Fremde zu fliehen, weil Herodes das Kind verfolgt. Wir haben es vorhin im Evangelium gehört. Die Familie ist also von Anfang an bedroht. Und als Maria und Josef ihr Kind Jesus im Tempel, gemäß dem Gesetz, Gott weihen und das vorgeschriebene Opfer darbringen, wird durch die Worte des greisen Simeon offenbar, dass Jesus nicht, wie die anderen Erstgeborenen, einfach der Familie zurückgegeben wird. An das Loblied des Simeon schließt sich eine Weissagung an, von der auch Maria, die Mutter, betroffen wird. Da wird das Kreuz sichtbar. Doch zunächst wird das Kind bei seinen Eltern in Nazareth bleiben, die Armut seiner Eltern teilen und von ihnen alles lernen: sprechen, gehen, beten, arbeiten.

Die Schwierigkeiten, eine heile Familie zu sein, kommen dann in der Geschichte vom zwölfjährigen Jesus zum Ausdruck, der im Tempel mit den Schriftgelehrten diskutiert, ohne auf die Ängste der Eltern zu achten. Er ist nicht der brave Bub der genau tut, was die Eltern von ihm wollen. Er hört auf das eigene Herz, und er tut das, was er darin als richtig erspürt, was er als Willen von Gott-Vater erkennt.

Schwestern und Brüder, wohl zu keiner anderen Zeit des Jahres sehnen sich die Menschen nach einer heilen Familie wie an Weihnachten. Sie möchten Weihnachten als Fa­milienfest feiern. Aber zugleich spüren sie, dass es nicht gelingt. Die Erwartungen sind zu hoch. Und so stört jede Meinungsverschiedenheit sofort den Familienfrieden. Die Kinder spüren die Verlogenheit. Es gibt keine heile Familie, und sie lässt sich auch nicht nur kurz an Weihnachten herstellen. Familie wird nur möglich, wenn sich ihre Mitglieder gemeinsam auf das Geheimnis einlassen, das sie übersteigt; wenn sie an Weihnachten nicht um sich kreist, sondern das Fest und sein Geheimnis bewusst wahrnimmt. Und jeder, in der biblischen Geschichte wie auch heute, hat sein eigenes Geheimnis. Maria behält ihr Geheimnis im Herzen. Sie denkt über das Geheimnis ihres Sohnes nach. Jesus spricht über sein Geheimnis und fordert so die Eltern heraus, ihn mit neuen Augen zu sehen.

Liebe Mitchristen, vielleicht hat sich mancher unter Ihnen in diesen Gedanken selbst entdeckt. Vielleicht ist Ihnen dabei aber auch aufgegangen, dass jedes Glied der klassischen Familie nicht nur ein Individuum ist, sondern auch ein Geheimnis bleibt. Keiner kann letztendlich ganz in den andern hineinschauen. Immer wieder wird er Neues entdecken, positives wie auch negatives.

Und da gilt es, miteinander im Gespräch zu bleiben, einander durch Gespräche zu verstehen suchen. Was Kinder in der Familie erfahren, das prägt sie ein Leben lang. Geborgenheit, Respekt, Verlässlichkeit, Anstand, Rück­sichtnahme, Teilen - all das lernt man zuerst in der Familie. Auch den Glauben leben lernt man zunächst in der Familie. Wer solche Worte, die Werte für ein gelingendes Leben darstellen, in den Mund nimmt, läuft heutzutage Gefahr, als rückständig, als konservativ abgestempelt zu werden. Doch dem ist zur raten, sich einmal die Mühe zu machen und nachzuforschen, was das Wort "konservativ" in seiner Fülle bedeutet. Was in der Familie nicht grundgelegt wird, das kann keine noch so gut geführte KiTa, noch die Lehrerinnen und Lehrer in einer Grund- oder Ganztagsschule vermitteln. Die können nur subsidiär, unterstützend mitwirken. 

Schwestern und Brüder, Jesus, Maria und Josef, die sogenannte Heilige Familie, ihr Haus von Nazareth, ist eine Schule, in der wir beginnen können, Jesu Leben zu verstehen suchen. Es ist die Schule des Evangeliums. Es ist die Glaubensschule, die auch in vielen Familien unserer Tage nicht mehr zu finden ist. Doch ohne in diese Glaubensschule weiterzugehen oder in sie wieder neu einzutreten, werden wir unser religiöses Fundament in unseren Familien in keinster Weise stärken und erhalten können.

Haben wir Mut, Schwestern und Brüder, in die Schule von Nazareth zu gehen, in die Schule von Jesus, Maria und Josef. Und schauen wir dabei genau hin, wie der Unterricht in dieser Schule für uns heute Lebende gestaltet werden kann, zum Wohle unserer Kinder, die ja die Zukunft von morgen sind. Aber auch zum Wohle unserer Kirche und unseren Gemeinden, in denen wir auch weiterhin Verantwortung tragen werden für die Weitergabe des Glaubens, ganz gleich, welche Struktur uns dabei begegnet, in der wir dann seelsorglich tätig sein werden und sein müssen. Amen.

P. Ludwig Eifler O.Carm.