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Spirituelles

  • Wort der Woche
  • Predigt So 25.8.2019 "Zeugnis geben"
  • Predigt Klausen-Wallfahrt 6.9.2019

36. Sonntag im Jahreskreis, 8. Dezember

Matthäus, 3,1-3
In jenen Tagen trat Johannes der Täufer auf und verkündete in der Wüste von Judäa: Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe. Er war es, von dem der Prophet Jesaja gesagt hat: Stimme eines Rufers in der Wüste: / Bereitet den Weg des Herrn! / Macht gerade seine Straßen!

Es muss nicht alles so bleiben, wie es ist. Es könnte alles auch ganz anders werden. Dafür steht der Prophet Johannes der Täufer, der in Kamelhaar gekleidete Wüstenbewohner und Wüstenrufer. Er redet Klartext mit seinem Ruf nach Umkehr! Umkehr das bedeutet: erstmal innehalten in den eigenen Routinen und Selbtsverständnissen; kritisch begutachten, was man schon immer zu wissen glaubte, den liebgewonnenen Überzeugungen nicht blind zu vertrauen; entdecken, wo man selbstgerecht nach dem eigenen Vorteil sucht. Zum umkehren kann es hilfreich sein, Wüstenorte aufzusuchen, weil das Rufen in der gewohnten Umgebung oft gar nicht vernommen wird. Und Umkehr braucht Zeit - z.B. auf dem Weg durch den Advent zum Geburtsfest des Kindes, das als Erwachsener ebenfalls zur Umkehr ruft, ohne die uns das Heil des Reiches Gottes entgehen könnte. 

 

Sonntag, 25. August 2019
Predigt: Hl. Bartholomäus, Apostel, Thema: „Zeugnis geben“

Liebe Schwestern und Brüder.

Der Apostel Bartholomäus gehört zu den erstberufenen Aposteln. Sein Name ist sehr wahrscheinlich identisch mit Natanael aus Kana in Galiläa. Mit Philippus scheint er sehr verbunden zu sein. Bartholomäus zählt zu ‚den „Zeugen Christi“. „‘Er ist einer von den Männern“, so schreibt Lukas, „die die ganze Zeit mit uns zusammen waren, als Jesus, der Herr, bei uns ein und aus ging“ (Apg 1,21). Die späteren Nachrichten erzählen vom Wirken und Leiden des Apostels in ganz verschiedenen Ländern. Verehrt wird er besonders auf der Tiberinsel in Rom. Der Frankfurter Dom trägt seinen Namen. Die Aufgabe der Apostel umschreibt Jesus mit den Worten: „Ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde“ (Apg 1,8).

Liebe Mitchristen, Zeugnis geben ist jedem Christen aufgetragen. Im 2. Brief an Tirnotheus stehen die mahnenden Worte: „Schäme dich nicht, dich zu unserem Herrn zu bekennen“ (2 Tim 1,8)! Papst em. Benedikt XVl. verdeutlicht diesen Aufruf mit den Worten: „Christ wird man nicht für sich, sondern für die anderen, oder vielmehr: Man ist es für sich nur, wenn man es für die anderen ist.“ Apostel, das heißt Zeuge sein. Als solche verehren wir die Jünger Jesu: „Gelobt sei Gott in aller Welt, gelobt durch die zwölf Zeugen... Voll Mut bezeugten sie den Herrn, wohin sie immer kamen, ertrugen Schmach und Schläge gern für Jesu Christi Namen, erlitten Zwang und Ungemach und folgten ihrem Meister nach und sind für ihn gestorben“, so heißt es in einem Apostellied in unserem Gotteslob.

Doch Zeugnis geben, wie geht das? Zunächst muss man feststellen, dass es eine schmale Gratwanderung ist zwischen Entschiedenheit und Fanatismus, zwischen Offenheit und Sektierertum. Es kann sehr schlecht aufgenommen werden und genau ins Gegenteil umschlagen, wenn man rechthaberisch anderen von seinem Glauben erzählt oder ihn gar aufdrängt. Besser ist, nicht andere nach ihrem Glauben zu fragen, sondern so zu leben, dass andere dich nach deinem Glauben fragen. „Der Mensch unserer Zeit glaubt mehr den Zeugen als den Lehrern, mehr der Erfahrung als der Lehre, mehr dem Leben als den Theorien“ (Johannes Paul II.).

Liebe Schwestern und Brüder, auf vielfache Weise kann man Zeugnis geben von seinem Glauben. Bildstöcke, die wir ja auch bei uns sehr viel vorfinden, sind oft Orte, die vom Glauben erzählen. Auch hier, diese Bartholomäuskirche, ist so ein Glaubenszeugnis der Vorfahren, die hier an diesem Ort lebten und sozusagen Gott in ihrer Mitte Wohnrecht gaben, IHM ein Haus erbauten.

Nicht zuletzt im Gebet kann man seinen Glauben und sein Gottvertrauen zum Ausdruck bringen: Sie erinnern sich sicherlich noch an den tragischen Unfall vor ein paar Jahren in der Fernsehsendung „Wetten, dass“. Thomas Gottschalk erzählte später im „Spiegel“, wie tief beeindruckt er war von der Reaktion des unglücklichen Samuel und seiner Familie. „Die haben eine große Frömmigkeit und einen festen Glauben. Schon am Tag nach dem Unfall habe ich in der Frühe mit der Familie im Hotelzimmer ein Vaterunser gebetet. Das hat uns eine gemeinsame Ebene gegeben, ihnen in ihrer Verzweiflung, mir in meiner Ratlosigkeit. Da war plötzlich eine Nähe da, auch eine Form von Geborgenheit. Später habe ich auch mit Samuel gebetet, als ich ihn besucht hab."

Selbst in Glaubensnot kann man für andere, die ebenso in ihrem Gottvertrauen ringen, ein Zeuge, eine Zeugin des Glaubens sein, die nicht aufgeben. Im Februar 1957 schreibt Mutter Teresa ihrem Beichtvater von großer Dunkelheit: „In meiner Seele herrscht ein so großer Widerspruch. Ein so tiefes Verlangen nach Gott, so tief, dass es weh tut - ein fortwährendes Leiden - und trotzdem nicht gewollt von Gott - abgewiesen - leer - kein Glaube - keine Liebe - kein Eifer. Die Seelen ziehen mich nicht mehr an - der Himmel bedeutet nichts mehr - für mich schaut er aus wie ein leerer Platz - der Gedanke an ihn bedeutet mir nichts und gleichzeitig diese folternde Sehnsucht nach Gott.“

Schwestern und Brüder, immer ist es eine solide Lebenseinstellung, die sich in Gottes Händen birgt, die andere überzeugt und mitreißt. So hat uns Franz von Sales, der Bischof von Genf (+ 1622), ein bemerkenswertes Wort hinterlassen. „Meine Vergangenheit kümmert mich nicht mehr, sie gehört dem göttlichen Erbarmen. Meine Zukunft kümmert mich noch nicht, sie gehört der göttlichen Vorsehung. Was mich allein kümmert und fordert, ist das Hier und Jetzt und Heute. Das aber gehört der Gnade Gottes und der Hingabe unseres guten Willens.“

Ich könnte mir vorstellen, dass bereits der hl. Bartholomäus seinen Lebensweg in diesem Sinne gegangen ist, in diesem Sinne für seinen Herrn und Meister gewirkt hat. Tun wir es ihm gleich und wir werden gute Zeuginnen und Zeugen für Jesus im Hier und Heute sein. Schauen wir also nicht so sehr in die Vergangenheit, die kümmert uns nicht mehr, die gehört der Barmherzigkeit Gottes. Schauen wir auch nicht beängstigend in die Zukunft, die kümmert uns noch nicht, weil sie der göttlichen Vorsehung gehört. Was uns einzig und allein kümmern und fordern soll, ist das Hier und Heute. Das gehört der Gnade Gottes und der Hingabe unseres guten Willens.

Schwestern und Brüder, gehen wir mit dieser Einstellung, wie sie der hl. Franz von Sales hatte, auch in die Zukunft unserer neuen Pfarrei mit ihren vielfältigen Herausforderungen. Amen.

P. Ludwig Eifler O.Carm.

Predigt Klausen-Wallfahrt, 06.09.2019
Thema: Maria unter dem Kreuz - Maria in der Ohnmacht

Liebe Schwestern und Brüder,

Das Kreuzigungsgeschehen hat die Künstler aller Jahrhunderte beschäftigt. Jesus, der am Kreuz stirbt, den schändlichsten Martertod der damaligen Zeit auf sich nehmen musste, war in diesen Stunden von nur wenigen Getreuen umgeben. Allen voran seiner Mutter, daneben der Lieblingsjünger Johannes, außerdem einige Frauen wie etwa Maria aus Magdala. So haben wir es eben im Evangelium gehört. Die Mutter stand unter dem Kreuz. Dieses „Stabat Mater“ hat viele Dichter zu tiefsinnigen Gedanken angeregt und mehr als 600 Kompositionen beklagen in immer neuen Variationen das Leid der Mutter. Auch uns hat sich das Bild der Mutter, die unter dem Kreuz stand, und die dort in der wohl schwersten Stunde ihres Lebens aushält, eingeprägt. Viele Wallfahrtsorte auf der ganzen Welt zeigen uns die Schmerzensmutter, auch hier in Klausen. Zu ihnen pilgern das Jahr über tausende von Menschen in ihren Anliegen und bitten die Frau, die selbst großes Leid getragen und ertragen hat, um Hilfe in den persönlichsten Anliegen, da sie der Überzeugung sind, der Mensch Maria versteht mich, versteht uns.

In der Nähe von Rottenburg, in Württemberg, gibt es eine kleine Wallfahrt „Zu unserer Lieben Frau in der Ohnmacht“. Hier wird eine Schmerzensmutter gezeigt, die unter dem Kreuz nicht steht, sondern in Ohnmacht fällt. Die anderen Frauen fangen sie auf, damit sie nicht zu Boden stürzt. Kennzeichnet „Ohnmacht“ nicht einen Wesenszug Marias? Denn ohnmächtig muss sie zusehen, wie ihr Sohn als wandernder Prediger durch Galiläa und Judäa zieht. Wie viele Vorwürfe musste sie sich von ihren Verwandten und wohlmeinenden Bekannten anhören. Ohnmächtig stand sie diesen Gegebenheiten gegenüber obwohl sie vielleicht in ihrem Innern spürte, dass all dies zum Auftrag ihres Sohnes gehört. Und so stand sie zu Ihrem Sohn, begleitete ihn so gut es ihr möglich war auf seinen Wegen. Denn sie war eine Glaubende und Vertrauende Gott Jahwe gegenüber, der sie gerufen und berufen hat, die Mutter seines Sohnes zu werden. Und als er verhaftet wurde machte sie sich auf nach Jerusalem. Ohnmächtig erlebt sie, wie eine aufgebrachte Menge den Kreuzestod Jesu forderte, eine Menge, die zuvor noch „Hosanna dem Sohne Davids“ schrie, als Jesus in Jerusalem einzog. Sie muss alles geschehen lassen, ohne eingreifen zu können. Den Willen Gottes annehmen, das war ihr längst zum Lebensinhalt geworden. Maria läuft nicht davon wie die Apostel. Maria geht den Kreuzweg ihres Sohnes mit. Sie will ihrem Sohn Jesus, gerade in diesen schweren Stunden, nahe sein. Das kann nur Mutterliebe. Er soll spüren, dass die Mutter da, ihm ganz nahe ist. Sie kann ihm zwar das Kreuz nicht abnehmen, so gerne sie das wohl tun würde, aber er soll erfahren, dass die Mutter mit ihm leidet. Und so begegnen sich auf dem Kreuzweg ihre Augen, mehr noch ihre Herzen. Da braucht es keine Worte. In der vierten Kreuzweg-station heißt es daher: „Jesus begegnet seiner tiefbetrübten Mutter.“ Was hat dieses Mutterherz nicht alles mitgemacht seit dem Tag, als der Engel Gabriel ihr die Botschaft brachte, dass Gott sie zur Mutter seines Sohnes erwählt hat. Nun muss sie ohnmächtig miterleben, wie ihr Sohn, der aus unzähligen Wunden blutet, die man ihm bei der Geißelung zugefügt hat, immer wieder unter dem Kreuz zusammenbricht.

Auf Golgotha angekommen, reißen sie Jesus die Kleider vom Leib. Den Blicken einer gaffenden Menge ausgesetzt möchte die Mutter ihn in Schutz nehmen. Aber auch hier kann sie alles nur ohnmächtig geschehen lassen, auch, dass Jesus ans Kreuz genagelt wird. Vom Kreuz herab hört sie die Abschiedsworte Jesu an sie: „Frau, siehe dein Sohn!“ und mit Blick auf Johannes: „Siehe deine Mutter!“ Jesus sorgt sich noch in äußerster Not um seine Mutter. Sie soll nicht ohne Schutz und Beistand sein, wenn er aus dieser Welt geht. Und nachdem Jesus am Kreuz gestorben war, bricht nicht nur etwas in ihrem Leben zusammen, sondern sie erfährt hier ganz existentiell ihre Ohnmacht. Auch wenn in der Heiligen Schrift davon keine Rede ist, hat diese Tatsache viele Künstler inspiriert, Maria als ohnmächtige Frau, den toten Sohn in ihrem Schoß, der Menschheit zu zeigen. Sie, die gläubigste aller Menschen, muss all das erleiden und gibt sich auch in diesen schmerzvollen Stunden ganz in die Hände des Vaters, so wie Jesus, ihr Sohn, es auch tat.

Schwestern und Brüder, geht es vielen Menschen auf der Welt nicht ähnlich wie Maria? Stehen Viele nicht auch ohnmächtig dem Terror, den kriegerischen Ausein-andersetzungen, dem Hunger, der Flucht aus der Heimat, einem schweren Schicksalsschlag oder einer unheilbaren Erkrankung gegenüber? Und was können wir hier tun? Stehen nicht auch wir all diesen Dingen ohnmächtig gegenüber? Gewiss, was die großen Probleme in der Welt betrifft, können wir nur wenig ausrichten. Aber beten dafür ist nicht wenig. Es ist eben das, was wir tun können. Wir können aber auch in unserer unmittelbaren Umgebung die Augen offen halten etwa nach dem Motto: „Weit weg, ist oft näher als du denkst“. Und so wäre es gut, wenn wir wahrhaft sehende Augen und hörende Herzen hätten für die Not in der unmittelbaren Nähe und den Mut hätten, sich nicht ohnmächtig zu verhalten, sondern nach den eigenen Möglichkeiten ohnmächtig gewordenen Mitmenschen zu helfen. Ich wünsche uns allen dazu Mut und Gottvertrauen, so wie Maria es hatte. Sie ist auch darin unser Vorbild und unsere Hilfe. Amen.

P. Ludwig Eifler O.Carm.