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Spirituelles

  • Predigt Neujahr 2021
  • Predigt Fest Taufe des Herrn
  • Wort der Woche

Liebe Mitchristen,

Silvester und Neujahr sind inzwischen mit vielen alten und neuen heidnischen Zeichen besetzt. Silvesterraketen, Glücksschweine, Bleigießen und Sektgläser gehören dazu. Die Umsätze dafür erreichen jedes Jahr neue Rekorde. Gewissenserforschung wird von vielen immer wieder angemahnt, besonders im Hinblick auf die Feuerwerksraketen, deren Umsatz sich vor einem Jahr nach Schätzungen auf weit über 100 Millionen Euro belaufen haben soll. Doch vielleicht ist in diesem Jahr alles etwas anders, da ja das Böllern wegen Corona und der befürchteten Menschenansammlungen verboten war.

In meiner diesjährigen Neujahrspredigt möchte ich drei Sätze etwas näher beleuchten. Sätze, die wir uns beim Jahreswechsel gerne sagen und damit auch Wünsche zum Ausdruck bringen:

Jahr für Jahr wünschen wir uns vor dem Jahreswechsel „einen guten Rutsch!“. Doch wer wünscht dabei wirklich, dass wir ins neue Jahr einfach hineinschlittern und uns unter Umständen sogar noch etwas brechen? Nein, einen solchen schlechten Rutsch meint sicher niemand. Schon eher einen glatten Übergang vom alten ins neue Jahr, und fürs Neue das allerbeste. Doch kaum jemandem ist es wohl bewusst oder gar bekannt, wie dieser Wunsch überhaupt entstanden ist. Die Sitte, einen guten Rutsch zu wünschen, verdanken wir keineswegs den um diese Zeit in manchen Jahren und manchen Gegenden herrschenden Wetterbedingungen. Es ist ursprünglich ein Neujahrswunsch, der mit dem „Rutschen“ überhaupt nichts zu tun hat. Fromme Juden wünschen sich auch heute noch einen guten „Rosch haschanah“. Diese hebräische Bezeichnung für den jüdischen Neujahrstag heißt, wie ich Eingangs bereits kurz erwähnt habe, übersetzt: „Kopf des Jahres“. Dahinter steht die Vorstellung, dass auch das ganze Jahr gut wird, wenn es einen guten Kopf und damit einen guten Beginn hat. Der Ausdruck „Rosch haschanah“ wurde verkürzt als Rosch ins Jiddische übernommen. Und dann war es nur noch ein kleiner Schritt; und aus dem „guten Rosch“ wurde ein „guter Rutsch“.

Hat das Neue Jahr begonnen, rufen wir uns gegenseitig hier und da zu: „Prost Neujahr“ oder korrekter: „Prosit Neujahr!“ Was so viel bedeutet wie: Dieses Neue Jahr soll dir wohl bekommen. Es soll es gut mit dir meinen.

Ferner wünschen wir hier und da jemanden auch schon einmal „Hals und Beinbruch“. Damit ist allerdings alles andere als ein Unfall gemeint. Auch dafür steht ein hebräisches Wort Pate: „Baruch“, was Segen bedeutet. Also geht es darum, jemandem Segen für Hals und Bein zu wünschen; d.h. auf den ganzen Leib soll der Segen Gottes herabkommen an jedem Tag des Jahres. Und deshalb wünschen sich Christen zum Jahresbeginn oft ein „gesegnetes neues Jahr!“. Doch was verbirgt sich hinter diesen wenigen Worten?

Segen ist nie etwas, was wir selber herstellen oder kaufen könnten. Segen ist das Geschenk, das uns mit Gott verbindet. „Gesegnet“ heißt also: Ich wünsche dir, dass dein Leben in Gott beheimatet ist; dass du selber die Liebe Gottes in vielfacher Weise erfährst, sie weiter schenkst und nie meinst, es käme nur auf dich alleine an.

Ein neues Jahr. „Du bist noch immer der alte geblieben“, das kann ein Lob sein. Aber kritisch betrachtet bedeutet es auch: Du bist gar nicht mehr wandlungsfähig. Du rastest und rostest. Ein neues Jahr zu wünschen sollte also heißen: Ich wünsche dir die Fähigkeit, dich zu ändern; Verzeihung zu gewähren, Neues und Besseres zu denken, zu reden und zu tun. Ich halte dich für fähig, dass bei dir nicht alles beim alten bleiben muss; sondern du bist noch jung genug, dass du Neues anfangen kannst. Der Wunsch des anderen soll mich dazu ermutigen.

Ein gesegnetes neues Jahr. Ein Jahr! Was ist das heutzutage schon, sagen manche unter uns – Wenn wir über uns selber nachdenken, ehrlich nachdenken, fällt uns eine Vielzahl von guten Vorsätzen ein. Wir haben sie vielleicht bei einer Beichte gefasst, anlässlich von Exerzitien, am Geburtstag, bei einer Jahreswende, bei einem besonderen Erlebnis. Was ist aus den guten Vorsätzen geworden? Der gute Wille war da, aber der Atem war zu kurz. Das Vielerlei des alltäglichen Lebens hat sie zuerst hinausgeschoben und später ganz vergessen lassen. Deshalb steht hinter dem Wunsch für das neue Jahr der Wunsch um Durchhaltekraft und Stehvermögen, nach Rückbesinnung und nach einem langen Atem.

Schwestern und Brüder, es ist nur ein kurzer Satz: „Ich wünsche dir ein gesegnetes neues Jahr!“ – und doch so schwergewichtig, so inhaltsreich, wenn er ernst genommen wird. Ist es uns tatsächlich ernst damit, und nehmen wir so etwas auch ernst, wenn wir einen solchen Wunsch aussprechen oder er uns zugesprochen wird?

Schwestern und Brüder, jeder hat das Recht, das alte Jahr abzuschließen und das neue zu beginnen, wie er es will. In der katholischen Kirche ist Neujahr zugleich das Hochfest der Gottesmutter Maria. Die Zeit hatte sich erfüllt, als Gott uns seinen Sohn durch Maria geschenkt hat. Die Zeit hatte sich erfüllt, als wir durch Jesus Christus zu Töchtern und Söhnen Gottes wurden, zu Schwestern und Brüdern von Jesus. Deshalb überlassen wir diese neu geschenkte Zeit nicht heidnischen Bräuchen, die ihr Spiel mit uns treiben und denen wir uns ausliefern, und schon gar nicht der Wahrsagerei. Diese neue Zeit ist auch deshalb so froh und zugleich so ernst, weil wir mit Maria zu Gott „Abba – lieber Vater“ sagen dürfen.

Und mit diesen Gedanken, liebe Schwestern und Brüder, dürfen wir das Neue Jahr 2021 mit Zuversicht beginnen trotz der immer noch andauernden Coronakrise, der vielen Einschränkungen von denen niemand weiß, wie und wann alles enden wird. Der Impfstoff, auf den große Hoffnung gesetzt wird, ist da und wird verabreicht. Allerdings gilt es dennoch, die Regelvorschriften einzuhalten, auch wenn es schmerzt und Kontakte nicht so möglich sind wie gewohnt. Wir wissen auch nicht, was uns das Neue Jahr persönlich bringen wird. Doch eines wissen wir, dass wir die Tage, Wochen und Monate nie allein zu gehen brauchen. Der Gott Immanuel, der Gott mit uns, von Maria uns geschenkt in der Heiligen Nacht, geht mit uns. Oder vielleicht sage ich besser: er will mit uns gehen und er geht mit uns, wenn wir es zulassen. Denn er ist ein Gott, der die Freiheit des Menschen liebt und sie achtet. ER will mit uns gehen durch unsere ganz persönlichen Täler und Höhen die wir zu durchwandern haben in diesem Neuen Jahr. Er will mit uns gehen in unseren Kirchengemeinden, wenn wir uns in weiteren Schritten auf den Weg machen zu neuen Ufern; wenn wir neue Perspektiven in den Blick nehmen hinsichtlich der Pfarreienlandschaft im Bistum und ganz besonders bei uns hier im Alftal.

Schwestern und Brüder, ich danke allen, die auch im zu Ende gegangenen Jahr 2020 auf pfarrlicher Ebene den Weg zusammen mit mir gegangen sind, die sich eingesetzt haben zum Wohle unserer Gemeinden. Und ich hoffe und wünsche, dass dies auch im Neuen Jahr 2021 gelingen kann. Denn nur gemeinsam können wir etwas erreichen. Und dabei ist es meiner Meinung nach äußerst wichtig und notwendig, sozusagen Gott nach seiner Meinung zu fragen; uns von IHM her Rat zu holen, was ER für uns als gut und richtig erachtet, was uns letztendlich zum Heile dient. Ladislaw Boros, ein schon längst verstorbener Theologe, hat vor vielen Jahren einmal gesagt: "Gott hat noch nicht abgedankt zu Gunsten des kirchlichen Verwaltungsapparates.“

Und daher ist der ganze Umstrukturierungsprozess keineswegs nur ein verwaltungstechnischer Akt, sondern er muss vielmehr ein geistlicher Prozess sein und werden und bleiben. Denn letztendlich geht es um Menschen, die im umfassenden Sinne gesehen der Seelsorge bedürfen, denen die Frohe Botschaft von Jesus verkündet werden soll. Es kann daher nicht sein, dass in der Seelsorge hauptamtlich Tätige, die dafür auch bezahlt werden, bei sich hier und da abspecken. Es kann auch nicht sein, dass der Ruf seitens der Bistumsleitung immer noch mehr in Richtung ehrenamtlich Tätige geht. Die leisten bereits jetzt schon immens viel; und mal abgesehen davon, dass die meisten von Ihnen einem Beruf nachgehen und ihre Freizeit opfern für den kirchlichen Dienst. Aber es muss allerdings in der Tat vor Ort Menschen geben, denen eine lebendige Gemeinde ein Anliegen ist. Dabei ist durchaus mit in den Blick zu nehmen, was sich vielleicht überholt hat und nicht mehr aktuell für heute ist. Und hier muss man dann den Mut haben zu sagen: das war’s dann für dies oder jenes, was bislang Anklang fand, in der letzten Zeit aber keinen Zulauf mehr gefunden hat, aus welchen Gründen auch immer. Es muss allerdings auch geschaut werden dahingehend, welches neue Bedürfnis oder welche neuen Bedürfnisse es vielleicht vor Ort gibt und wie wir diesen Wünschen gerecht werden können. All das kann aber nur sinnvoll geschehen, wenn wir Hand in Hand miteinander arbeiten und dabei das Ziel nicht aus den Augen verlieren, nämlich Gott.

Schwestern und Brüder, es gibt auch im Jahr 2021 viel zu tun im kirchlichen Bereich, der ja nur ein Teil im Leben von den meisten Menschen ist. Gehen wir es gemeinsam an. Ich bin bereit, mit meinen Möglichkeiten und Fähigkeiten meinen Beitrag mit Ihnen dazu zu leisten. Gehen wir als noch „Pfarreiengemeinschaft Alftal“ zusammen mit Maria und ihrem Sohn Jesus den Weg des Glaubens hin zu Gott. Vielleicht kann uns dabei das Leitwort eines chinesischen Christen helfen der gesagt hat: „Geh hinein in die Ungewissheit des neuen Jahres, und lege deine Hand in Gottes Hand; das ist mehr wert als ein Licht und sicherer als den Weg zu wissen.“

Aus diesem Glauben und Vertrauen heraus wünsche ich uns allen und unserer ganzen Pfarreiengemeinschaft Alftal ein „gesegnetes neues Jahr“ 2021. Amen.

P. Ludwig Eifler O.Carm.

Fest der Taufe des Herrn, 10. Januar 2021

Liebe Gemeinde,

mit dem heutigen Fest der Taufe des Herrn beschließt die Kirche, von der Liturgie her gesehen, die Weihnachtszeit und damit auch den Weihnachtfestkreis, der am ersten Adventssonntag begonnen hat. Damit macht die Kirche aber auch einen ganz gewaltigen Sprung. Denn von der Geburt Jesu bis zu seiner Taufe im Jordan liegen immerhin 30 Jahre. Und dennoch gehört dieses heutige Fest ganz eng zu Weihnachten und dem Epiphaniefest – dem Fest der Erscheinung des Herrn oder Heilige Drei Könige – das wir 06. Januar gefeiert haben. Denn auch die Taufe Jesu ist ein Epiphaniegeschehen, ein Aufleuchten des sich offenbarenden Gottes. Denn der Vater nennt Jesus, der sich in die Reihe der Sünder gestellt hat, seinen geliebten Sohn, an dem er Gefallen gefunden hat. Für Jesus bedeutet diese Taufe eine Art Berufsweihe. Denn der Geist, der auf ihn herabkommt und die Stimme aus dem Himmel bezeugen Jesus als den Gesalbten, den Messias. Und als solcher ist er nun gesandt, die Botschaft vom Vater den Menschen seiner Zeit zu verkünden. Dieser Geist Gottes, der auf ihm ruht, wird ihn zunächst aber in die Wüste hinausführen, dann zu den Menschen nach Galiläa, um ihnen die frohe Botschaft vom Reich Gottes zu bringen und schließlich hinauf nach Jerusalem, nach Golgota. In der Kraft dieses Geistes wird Jesus sich dort als Opfer darbringen für die Sünde der Welt. Er wird durch sich die Menschheit und die ganze Welt mit dem Vater versöhnen.

Liebe Mitchristen, nichts anderes ist auch bei unserer Taufe mit uns und an uns geschehen. Auch uns hat Gott bei unserer Taufe als seine Töchter und Söhne, als Schwestern und Brüder von Jesus, angenommen. Auch wir haben dadurch sozusagen eine Berufsweihe, einen Auftrag erhalten, den zunächst, stellvertretend für uns, die Eltern und hier und da vielleicht auch die Paten, wahrgenommen haben, nämlich den Glauben an den, auf den wir getauft wurden, weiterzugeben. Sie haben uns hineingeführt in die Beziehung zum dreifaltigen Gott, haben uns beten gelehrt und uns mit den liturgischen Festen der Kirche vertraut gemacht. Dadurch konnte sich unser Glaube entwickeln, stärken und festigen und im Laufe der Zeit, auch durch eigenes Zutun, dann schließlich zu dem werden, was heute bei uns vorhanden ist. Doch wissen wir alle, dass Glaube keine statische Größe ist, nicht etwas, was wir besitzen können. Wir haben alle sicherlich schon des öfteren feststellen, vielleicht aber auch schmerzlich erfahren müssen, dass unser Glaube schwanken kann, dass er, angesichts mancher Erfahrungen und Erlebnisse angefochten, vielleicht sogar in Frage gestellt wurde. Gerade in der augenblicklichen Coronapandemiezeit. Wir haben aber auch sicherlich schon erfahren dürfen, dass unser Glaube in schwierigen Situationen trägt und Hoffnung in Hoffnungslosigkeit schenken kann. Doch kann das nur erfahren werden, wenn wir sozusagen Jesus im Boot haben; wenn wir also immer wieder auf der Taufgnade auf- und weiterbauen, mit Jesus im Gebet, bei seinem Wort der heiligen Schrift verweilen und durch die Sakramente ihm verbunden bleiben. Dann sind wir auch stark.

Dazu wollen uns, liebe Mitchristen, die kommende Zeit im Jahreskreis und auch die einzelnen Festgeheimnisse und Heiligengedenktage, die wir feiern werden, Hilfe sein. Durch ihre Feier, aber auch durch das Erleben der ganz einfachen Tage des Jahres sollen wir wieder mehr und mehr hineinwachsen, weiterwachsen, uns weiter verwurzeln in Jesus Christus hinein, um IHN gleichsam in uns ein-zu-bilden, d.h., sein Bild, IHN, in uns aufnehmen und schließlich im Alltag wiederstrahlen, nicht durch ein großartiges Getue oder durch Frömmeleien, sondern vielmehr durch die ganz einfache gute Art und Weise unseres Umgangs miteinander. So erfüllen wir den Auftrag aus der Taufe, „Gott und den Nächsten lieben zu lernen, wie Christus es uns vorgelebt hat.“

Liebe Schwestern und Brüder, lasst uns daher von Jesus und Seiner Kirche in den kommenden Wochen und Monaten durch die Feier der einzelnen Heilsgeheimnisse immer wieder neu die Kraft für diese Aufgabe schenken. Und das ganz besonders jetzt in der Coronazeit, wo wir auch nicht wissen, wie es weitergehen wird. Lassen wir uns ein auf IHN, persönlich und gemeinschaftlich als Glaubensgemeinde und wir werden spüren und erfahren,  dass der Herr mit uns auf dem Weg ist und wir, gestärkt von IHM, all das bewältigen können, was auf uns zukommt. Seine Gnade ist uns gewiss. Amen.

P. Ludwig Eifler O.Carm.

Jetzt ist die Zeit, jetzt ist die Stunde, heute wird getan, oder auch vertan, worauf es ankommt, wenn ER kommt.

Ein Impuls, ein Gedanke, der Mut machen will, das „Jetzt“ achtsam wahrzunehmen und zu leben

 

                                             Jetzt

es geschieht

jetzt

jetzt

ist der Moment

höchster Intensität

in dem sich

alles wandeln

kann.

Armgard Schörle

Aus: Handbuch der Alchemie, © Buch Bild Verlag, Nagold 2019,