Pfarreiengemeinschaft Alftal

Gedanken zum Monat November

Viele Menschen empfinden den Monat November als einen düsteren Monat; manche haben sogar Angst vor ihm. Die Ursachen dafür sind vor allem wetterbedingt: Feuchtkalte Luft erhöht das Risiko, bestehende Erkrankungen zu verschlimmern oder sogar Ursache sein zu lassen für den Tod. Durch mangelndes Tageslicht entsteht bei manchen Menschen eine sogenannte Winterdepression. Feuchtkaltes Wetter und wenig Sonnenlicht – zwei Faktoren, die spontan mit dem November verbunden werden, sodass es kein Wunder ist, dass dieser Monat einen  so schlechten Ruf hat.

Dass der Monat November mit den Themen „Sterben“ und „Tod“ in Verbindung gebracht wird, liegt aber nicht nur am Wetter oder an der Natur, die bei den meisten Bäumen und Pflanzen die Blätter abwerfen lässt, sondern auch an den Gedenktagen, die diesen Monat prägen: Allerseelen in der katholischen und der Totensonntag in der evangelischen Kirche wie auch der staatliche Volkstrauertag lenken die Aufmerksamkeit auf den Tod. In Gottesdiensten und an den Gräbern auf den Friedhöfen erinnern wir uns der Verstorbenen.

Die Erinnerung an die Toten der beiden Weltkriege am Volkstrauertag ist immer zugleich auch eine Mahnung zum Frieden: Dass er keine Selbstverständlichkeit ist – auch nicht bei uns in Deutschland und auch nicht in Europa insgesamt. Das sehen und erleben wir ja immer wieder durch terroristische Anschläge. Und daher gedenken wir an einem solchen Tag auch all der Menschen, die Opfer von Terroranschlägen weltweit geworden sind; Opfer durch Menschen, die im Fanatismus und durch ein falsches Gottesbild ihre Ideen durchsetzen wollen.

Die Erinnerung an unsere Verstorbenen an Allerseelen oder am Totensonntag, der auch Ewigkeitssonntag genannt wird, trägt einen weiteren Akzent, der in diesem Namen mit anklingt: Die Erinnerung an unsere Verstorbenen ist untrennbar verbunden mit der Hoffnung auf ein Leben jenseits von Sterben und Tod, mit der Hoffnung auf  das ewige Leben bei und mit Gott. Daran erinnern die Kerzen auf den Gräbern, sie sind Hoffnungslichter. Aber auch das Christkönigsfest, das wir Katholiken zum Abschluss des Kirchenjahres am letzten Sonntag im November feiern, will uns zeigen, dass Jesus Christus der König und Herr ist über alles Lebendige, aber auch über alle Verstorbenen; er ist der Richter, der Wiederkommen wird am Ende der Zeit um gerade zu biegen, was im Laufe der Weltgeschichte durch die Menschen verkrümmt wurde.

Der Monat November ist aber auch geprägt durch menschliche Hoffnungslichter: Gleich am 01. November feiern wir in der katholischen Kirche das Fest Allerheiligen und denken dabei an all die Menschen, die in ihrem Leben erkannt haben, worauf es ankommt: Jesus Christus in die Mitte des Lebens zu nehmen und von ihm her das je persönliche Leben zu gestalten.

Zweier Heiliger, die leuchtende Vorbilder des Glaubens und der Liebe sind und die beide in diesem Jahr besondere Gedenktage haben, gedenken wir auch im Monat November:  Vor 1.700 Jahren ist der heilige Martin von Tours geboren; vor 785 Jahren ist die heilige Elisabeth von Thüringen gestorben; zwei Menschen, zwei Persönlichkeiten, die in ihrem Leben und Handeln bis heute aktuell sind. Sie haben sich das Handeln Jesu auf die Fahne geschrieben und ihren Mitmenschen, besonders den Armen und Hungernden, entsprechend geholfen. Sie sind Vorbilder für uns. Es genügt aber nicht, etwa das Leben des heiligen Martin nur nachzuspielen, mit dem Pferde durch die Straßen zu reiten und symbolisch einen Mantel zu teilen und ihm einem frierenden Bettler umzulegen. Und dann war es das mal wieder für ein Jahr. Liebe und Erbarmen sollen Wegbegleiter sein an allen Tagen des Jahres und uns entsprechend handeln lassen. Martin und Elisabeth wollen uns wieder auf- und wachrütteln so zu handeln, wie Jesus gehandelt hat. Dann ist der Monat November nicht nur ein Trauermonat, ein Gedenkmonat für unsere Verstorbenen, sondern vielmehr auch ein Monat, in dem wir am Ende des Heiligen Jahres der Barmherzigkeit und des Einstiegs in die Adventszeit Liebe und Barmherzigkeit wieder neu entdecken lernen durch das Beispiel des heiligen Martin und der heiligen Elisabeth.

P. Ludwig Eifler O.Carm.